5 Fragen an: Les Videos, Filmverleih und Filmverein

25. November 2021

Mit rund 35'000 Titeln ist das «Les Videos» im Zürcher Niederdorf die grösste Videothek der Schweiz. Hier finden Filmliebhaberinnen und Filmliebhaber kleine und grosse Filmschätze aus der ganzen Welt. In unserer Rubrik «5 Fragen an» haben wir mit dem Team von «Les Videos» über die Vorzüge einer Videothek und die Bedeutung von DVDs in Zeiten von Streamingplattformen gesprochen.

Das «Les Videos» im Zürcher Niederdorf ist eine der letzten Videotheken der Schweiz.

Filme, wohin das Auge reicht. Wer die drei kleinen Steinstufen hinauf und durch die blaue Eingangstür des «Les Videos» geht, wähnt sich im Filmparadies. In den unzähligen Regalen der Videothek reihen sich DVD-Hülle an DVD-Hülle. Über zwei Stockwerke verteilt finden Tausende von Titeln Platz, die es hier zu entdecken gibt. Klassiker befinden sich neben Kuriositäten und Regisseure neben Regionen. «Die Filme sind zwar nach Kategorien sortiert, doch es herrscht ein sympathisches Chaos», sagt Dominic Schmid aus dem Team. Das führt beim Stöbern zu interessanten Entdeckungen. Zwischen den Regalen sind vereinzelt Stühle platziert, die zum Studieren der Klappentexte einladen.

Das «Les Videos» ist Filmverleih, Filmarchiv und seit 2014 auch Filmverein. Die meisten der Mitglieder besitzen ein Flatrate-Abo für 365 Franken, mit dem das ganze Jahr über unbegrenzt Filme ausgeliehen werden können, jeweils fünf auf einmal. Pünktlich zur Weihnachtszeit werden zudem Gutscheine für ein dreimonatiges Probeabo angeboten. Wem der Gang ins Zürcher Niederdorf zu weit ist, der kann sich die Filme alternativ per Post nach Hause senden lassen.

Tritt der unwahrscheinliche Fall ein, dass eine Kundin oder ein Kunde den gewünschten Film im Angebot der Videothek nicht findet, scheut das Team keine Mühen, den entsprechenden Titel zu besorgen. Im Interview haben wir unter anderem nachgefragt, welche Filme aktuell besonders gerne ausgeliehen werden.

Das Team vom «Les Videos» nimmt sich gerne Zeit für persönliche Empfehlungen.

ZFF: Wie ist Les Videos entstanden und über die Jahre gewachsen?

Les Videos: Die Geschichte von «Les Videos» beginnt 1981, als es in der Schweiz noch nicht viele Videotheken gab. Die Nachfrage wuchs in der Folge von Jahr zu Jahr. Seinen Höhepunkt erreichte das Geschäft sicherlich Ende der 1990er-Jahre mit dem Aufkommen der DVD. Seit 2014 sind wir ein Verein. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern möchten wir das grösste allgemein zugängliche Filmarchiv der Schweiz erhalten.

Wir leben im Zeitalter des Streaming. Haben DVDs überhaupt noch eine Zukunft?

Die physische Präsenz der DVD hat schon noch eine Bedeutung. Das Angebot auf Streamingplattformen ist willkürlich und unzuverlässig. Filme werden hinzugefügt und über Nacht wieder entfernt. In der Videothek sind die Filme als physisches Medium vor Ort. Diese permanente Verfügbarkeit kann eine Streamingplattform nicht bieten.

Über zwei Stockwerke verteilt können in der Videothek rund 35'000 Filme und Serien entdeckt werden.

Wo seht ihr den grössten Vorteil eurer Videothek gegenüber dem digitalen Katalog einer Streamingplattform?

Ein gewichtiger Vorteil ist sicher unser Angebot: «Les Videos» ist die grösste und eine der letzten Videotheken der Schweiz. Über Jahre haben wir Filme und Serien eingekauft, die teils gar nicht mehr verliehen oder als DVD herausgegeben werden. Sobald man einen spezifischen Titel sucht, hat man bei uns die viel grösseren Chancen als auf der Streamingplattform. Ein weiterer Vorteil ist das angesprochene physische Erlebnis. In der Videothek kann man Filme beim Stöbern noch in die Hand nehmen. Gleichzeitig können wir mit unserer persönlichen Beratung auftrumpfen. Wir nehmen uns gerne Zeit für Empfehlungen und Fragen.

Wie setzt sich eure Kundschaft zusammen?

Jüngere Filmfans sind eher in der Unterzahl. Ein Grossteil der Kundschaft stammt aus einer Generation, die den digitalen Wandel nicht mitgemacht hat oder nicht mitmachen wollte. Sie schätzen es, in die Videothek kommen zu können und statt von einem Algorithmus von einer Person beraten zu werden. Viele unserer Stammkunden und deren Filmgeschmack kennen wir sehr gut. So können wir gezielte Empfehlungen abgeben.

Das umfangreiche Angebot deckt jeden Filmgeschmack ab.

Gibt es aktuelle Trends in der Filmauswahl? Was wird derzeit besonders gerne ausgeliehen?

Das Spektrum ist sehr gross. Grundsätzlich sind Dokumentarfilme und Arthouse-Filme aus der ganzen Welt sehr gefragt. Weniger gut laufen Titel, die anderenorts äusserst populär sind, wie beispielsweise Superhelden-Filme. Manchmal versuchen wir natürlich auch, unsere persönlichen Lieblingsfilme unter die Leute zu bringen. Doch auch innerhalb des Teams gehen die Geschmäcker weit auseinander und jede oder jeder hat sein Spezialgebiet.

Die Fragen wurden beantwortet von Dominic Schmid (Geschäftsführer «Les Videos», Filmwissenschaftler & Filmkritiker).

Hier geht es zur Webseite von «Les Videos»


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