Die Filme im Wettbewerb ‚Fokus: Schweiz, Deutschland, Österreich’

12. September 2017

In der Reihe ‚Fokus: Schweiz, Deutschland, Österreich’ steht das Kino aus diesen drei Ländern im Mittelpunkt.

Zwölf neue Produktionen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich – sechs Spiel- und sechs Dokumentarfilme – konkurrieren um das mit CHF 20000 dotierte Goldene Auge, das von einer internationalen Jury vergeben wird. Bei den Filmen der Reihe handelt es sich um erste, zweite oder dritte Regiearbeiten junger Filmschaffender. Sechs Filme sind Erstlinge, fünf Filme stammen von Regisseurinnen, zwei Beiträge sind Weltpremieren. Die zwölf Fokusfilme vereinen ein breites Spektrum an aktuellen Themen und Erzählformen. 

Erstmals verleihen diesmal zudem die reformierte und katholische Kirche des Kantons Zürich mit einer eigenen Jury den mit CHF 5000 dotierten Filmpreis der Zürcher Kirchen an einen Film der Fokus-Reihe. Die neue Jury besteht aus Lisa Blatter (Filmemacherin, Zürich), Zeno Cavigelli (Synodalrat, Katholische Kirche im Kanton Zürich), Bernhard Egg (Kirchenrat, Reformierte Kirche Zürich), Dario Pezzoli-Olgiati (Religionswissenschaftlerin, München) und Charles Martig (Direktor Katholisches Medienzentrum, Zürich). Der Preis wird am Donnerstag, den 5. Oktober im Folium Sihlcity verliehen. Das Goldene Auge für den besten Fokus-Film wird an der Award Night am 7. Oktober im Opernhaus vergeben.

 


ATELIER DE CONVERSATION 
von Bernhard Braunstein
Österreich, Frankreich, Liechtenstein, 2017

Im Pariser Centre Pompidou füllt sich jede Woche ein Stuhlkreis, der zum Ort einer ungewöhnlichen Begegnung wird: Neben Kriegsflüchtlingen nehmen Geschäftsleute Platz, neben unbekümmerten Studierenden politisch verfolgte Menschen. So verschieden die TeilnehmerInnen sind, so haben sie gemeinsame und verbindende Ziele: Französisch zu lernen und Verbündete zu finden, um in der Fremde (über-)leben zu können. An diesem hoffnungsvollen Ort werden soziale und kulturelle Grenzen aufgelöst, und Menschen, die sonst niemals miteinander in Berührung kämen, begegnen sich auf Augenhöhe.

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AVANT LA FIN DE L’ÉTÉ / BEFORE SUMMER ENDS
 von Maryam Goormaghtigh
Schweiz, Frankreich, 2017

Nach fünf Jahren Studium in Paris hat Arash die Nase voll von Frankreich. Der sensible Iraner hat das Gefühl, hier nicht glücklich zu werden, und überhaupt sind die Franzosen ganz anders – findet er. In der Hoffnung, dass er doch bleibt, überreden ihn seine Freunde Hossein und Ashkan, noch eine letzte gemeinsame Reise zu machen. Und so brechen die drei ungleichen Freunde schon bald mit vollgepacktem Auto in den südfranzösischen Sommer auf. Campingplätze, Bier auf Strassenfesten, frische Meeresluft. Und eines Tages lernen sie die Musikerinnen Charlotte und Michèle kennen … Ob Arash dennoch nach Iran zurück will?


BLUE MY MIND
von Lisa Brühlmann
Schweiz, 2017

Mia kann es kaum glauben, aber es scheint, dass ihre Zehen langsam, aber sicher zusammenwachsen. Kürzlich ist die Teenagerin mit ihren Eltern in eine betonkalte Siedlung nach Zürich umgezogen. Von denen fühlt sich Mia allerdings sowieso Galaxien entfernt – und schaut sich in der neuen Klasse sogleich nach genau jenen Freundinnen um, die am meisten Abenteuer und Ausbruch versprechen. Ob Würgespiele, Sex oder Drogen – Mia scheut keine Mutprobe, um ihren immensen Drang nach Zugehörigkeit zum Ausdruck zu bringen. Es öffnet sich eine genauso aufregende wie angsteinflössende neue Welt. Als wäre sie den gewaltigen Wellen eines Ozeans ausgesetzt, steht Mia vor einem überwältigenden Umbruch, der ihre ganze Existenz infrage stellt.


DIE DRITTE OPTION
von Thomas Fürhapter
Österreich, 2017

Soll ein körperlich oder geistig beeinträchtigtes Kind leben – oder gar nicht erst zur Welt kommen? Wer entscheidet, was lebenswert und normal ist? Die pränatale Diagnostik kann werdende Eltern vor eine schwerwiegende Entscheidung stellen. Der Essayfilm DIE DRITTE OPTION beleuchtet ein hochbrisantes Thema auf ungewöhnliche Weise: Während wir die Äusserungen von Ärztinnen und Pränataldiagnostikern sowie die aufwühlenden Erlebnisse eines betroffenen Paares hören, setzt der Film das Thema auf der visuellen Ebene formal-inszenatorisch in einen grösseren, gesellschaftspolitischen Zusammenhang. So wird unser Blick Schicht um Schicht freigeräumt auf grundsätzliche Fragen über Geburt, Ethik und wie weit die „Lebensoptimierung“ gehen darf.

 
DIE MIGRANTIGEN
von Arman T. Riahi
Österreich, 2017

Möchtegern-Schauspieler Benny, der noch bei seiner Mutter wohnt, und Werbedesigner Marko, der ein viel zu teures Fahrrad fährt, sitzen gerade in einem Wiener Problemviertel, als sie von der eifrigen TV-Reporterin Marlene Weizenhuber entdeckt werden. Auf der Suche nach Protagonisten „mit Migrationshintergrund“ für ihre Doku-Serie kommen ihr die beiden jungen Männer gerade recht. Benny und Marko wittern ihre Chance, nennen sich fortan Omar und Tito und geben sich für das naive Fernsehteam als „typische Migranten“ mit Gangster-Attitüde aus. Doch die beiden Wiener haben eigentlich gar keine Ahnung, wie man sich als kleinkrimineller Migrant verhält. Höchste Zeit, sich Rat von „echten“ Ausländern zu holen … falls es die überhaupt gibt!


FELL IN LOVE WITH A GIRL
von Kaleo La Belle
Schweiz, 2017

Die Wege der Liebe sind unergründlich – manchmal führen sie über Ozeane und in eine vollkommen ungewisse Zukunft. Der Filmemacher Kaleo La Belle hat es selbst erlebt. In diesem persönlichen Filmessay folgen wir dem gebürtigen Amerikaner, seiner Lebenspartnerin Emma, seiner Ex-Frau Karin und den drei Kindern bei einem Familien-Experiment: Um Liebe und Familie zusammenzuhalten, haben sie gemeinsam beschlossen, von der Schweiz in die USA zu ziehen und alle zusammen unter einem Dach zu leben. Konflikte sind vorprogrammiert … Kunstvoll komponiert mit Musik und Poesie, erzählt La Belle seine persönliche Geschichte von Liebe, Trennungen und Neuanfängen, in der sich jeder Zuschauer zu einem kleinen oder grösseren Teil wiederfinden kann.
 


FREE LUNCH SOCIETY
von Christian Tod
Österreich, Deutschland, 2017

Was würden Sie tun, wenn Ihre Existenzgrundlage Monat für Monat – bedingungslos – gesichert wäre? Aufhören zu arbeiten? Persönlichen Leidenschaften nachgehen? Mehr riskieren? Filmemacher Christian Tod untersucht das Modell eines bedingungslosen Grundeinkommens in Alaska, wo die Bevölkerung seit Jahren am Gewinn aus der Erdölförderung beteiligt wird. Er blickt aber auch auf Testläufe in Namibia und Kanada; kreist durch die Geschichte utopischer Science-Fiction, um schliesslich in der Schweiz zu landen, wo 2016 ein Volksentscheid ansteht. In seinem höchst unterhaltsamen Rundumschlag stellt Christian Tod die existenziellen Fragen des Lebens und befeuert die Debatte um eines der aktuellsten wirtschaftspolitischen Themen unserer Zeit.
 


IMPREZA / DAS FEST
von Alexandra Wesolowski
Deutschland, 2017

Bei den Vorbereitungen zu Danutas und Maciejs goldener Hochzeit hilft die ganze Familie mit. Ihre deutsche Nichte Alexandra ist aus diesem Anlass eigens nach Warschau gereist. Kaum hat sie sich an den Küchentisch gesetzt, wird auch schon heftig diskutiert. Ob es um Europa, Abtreibung oder Migration geht: Bald wird Alexandra klar, dass sie mit ihren „liberalen“ Ansichten völlig allein dasteht und von ihren Verwandten als „Opfer“ westlicher Propaganda belächelt wird … Filmemacherin Alexandra Wesolowski nimmt das Familienfest als Anlass, ein Portrait ihrer eigenen Familie zu zeichnen, das uns hochinteressante Einsichten in die polnische Gesellschaft, aber auch in den europäischen Rechtspopulismus der Gegenwart erlaubt.
 


KRIEG
von Rick Ostermann
Deutschland, 2017

Der Tag, an dem sein Sohn Christian mitteilte, dass er sich für einen Bundeswehr-Auslandeinsatz hat verpflichten lassen, war der Beginn einer zermürbenden Zeit für Arnold und seine Frau Karen. Jetzt ist alles anders. Um endlich Frieden zu finden, hat Arnold beschlossen, sich zurückzuziehen. Der Schnee liegt kniehoch, als er zusammen mit seinem geliebten Hund das Ziel, eine einsame Tiroler Berghütte, erreicht. Kaum angekommen, findet Arnold jedoch bedrohliche Spuren eines Eindringlings in der Hütte vor. Während er die Kriegsnachrichten seines Sohnes und die sorgenvollen Gespräche mit seiner Frau noch einmal Revue passieren lässt, wird Arnold klar, dass er sich gegen einen ihm unbekannten Feind wehren muss, um wenigstens sein eigenes Leben zu retten.


LOMO - THE LANGUAGE OF MANY OTHERS
von Julia Langhof
Deutschland, 2017

Als Kind mehr oder minder wohlhabender Eltern musste Karl sich nie grosse Gedanken um seine Zukunft machen. Kurz vor dem Abitur schweift der Teenager jedoch immer öfter in die binäre Welt seines Handys ab, wo er mit dem Internetblog „The Language of Many Others“ seine persönliche Rebellion gegen das System gestartet hat. Dort postet er unter anderem auch Aufnahmen seiner eigenen Familie, was das Verhältnis zu seinem Vater vor eine Zerreissprobe stellt. Als sich die Mitschülerin Doro für ihn zu interessieren beginnt, fühlt sich Karl endlich verstanden. Als sie ihn wieder fallen lässt, glaubt er zu wissen: Alles ist Willkür, nichts ist wahrhaftig – und beginnt, die Macht über sein Leben mehr und mehr seinen Followern zu überlassen.


SARAH JOUE UN LOUP-GAROU
von Katharina Wyss
Schweiz, Deutschland, 2017

Wenn Sarah auf der Bühne steht, holt sie alles aus sich heraus. Im Theaterprojekt der Schule hat die sensible 17-Jährige eine Möglichkeit gefunden, ihre innersten Gefühle auszudrücken. Langsam baut sie eine Freundschaft mit der impulsiven Alice auf, doch diese hat bald andere Interessen. Zu Hause vermisst sie ihren weggezogenen Bruder, während sie sich von ihren Eltern permanent eingeengt fühlt. Obwohl sie und ihr Vater eine Leidenschaft für klassische Opern und Dramen teilen, liegt ein dunkler Schatten über ihrer Beziehung. Getrieben von innerem Schmerz und der Suche nach der wahrhaftigen Liebe, gerät Sarah mehr und mehr in einen gefährlichen Strudel, aus dem es keine Rettung zu geben scheint.


TIERE
von Greg Zglinski
Schweiz, Österreich, Polen, 2017

Es ist kühl geworden zwischen der Schriftstellerin Anna und ihrem Mann Nick. Eine gemeinsame Auszeit soll helfen. Für ein halbes Jahr wollen die beiden von ihrer Wiener Stadtwohnung in ein Chalet in die Schweizer Berge ziehen. Nicks Affäre mit der Nachbarin Andrea hat somit vorläufig ein Ende. In der malerischen Berglandschaft angekommen, bemerkt Anna aber schon bald, dass etwas nicht stimmt. Ihre Erinnerungen verschwimmen und sie beginnt zunehmend an ihrem Verstand zu zweifeln. Liegt es an dem Autounfall, den sie unterwegs hatten? Hält Nick etwas vor ihr geheim? Je mehr Tage vergehen, desto mehr häufen sich sonderbare Vorkommnisse, und Anna weiss nicht, ob sie Nick oder ihrem eigenen Verstand noch trauen kann …


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