„Die Zuschauer berichten von einer tiefen emotionalen Erfahrung“ – Valentin Greutert

28. November 2019

BRUNO MANSER – DIE STIMME DES REGENWALDES rockt die Schweizer Kinos: Schon über 100000 Besucher haben den Schweizer Film, der am Zurich Film Festival Weltpremiere feierte, gesehen. Produzent Valentin Greutert sagt, die Leute erkannten dank des Films die wirtschaftlichen Zusammenhänge in einer globalisierten Welt.

Fotoshooting mit Valentin Greutert am ZFF (Foto: Sabine Liewald)

Fotoshooting mit Valentin Greutert am ZFF (Fotos: Sabine Liewald)

ZFF: Herr Greutert, herzliche Gratulation zum Grosserfolg von BRUNO MANSER, der schon über 100000 Zuschauer in die Deutschschweizer Kinos gelockt hat. Haben Sie mit einem solchen Erfolg gerechnet?

Valentin Greutert: Erhofft haben wir uns das schon, klar, zumal die Kinobesitzer an ihrer Trade-Show sehr euphorisch auf den Film reagiert haben. Aber mit Erwartungen muss man immer vorsichtig sein!

Wie fallen die Reaktionen der Zuschauer aus, was spricht sie am Film an?

Ich bin mit Regisseur Niklaus Hilber und Hauptdarsteller Sven Schelker quer durchs Land gereist zu Vorpremieren. Wir kamen jeweils in den Saal herein, wenn der Abspann lief. Es war immer mucksmäuschenstill. Wir liessen jeweils den ganzen Abspann laufen, denn die Zuschauer brauchen eine Zeit, um wieder aus der Geschichte herauszufinden.

Und was sagen die Leute zum Film?

Es erreichen uns fast täglich Nachrichten von Zuschauern, die von einer tiefen emotionalen Erfahrung berichten, die ihnen der Film vermittelte. Es geht dabei nicht nur um Bruno Manser, sondern auch um die Zusammenhänge und den Zustand unserer Welt. Es wird ihnen bewusst, dass wir als Konsumenten eben auch eine Verantwortung dafür tragen, wenn durch die Abholzung die Menschen im Dschungel den Lebensraum verlieren.

Warum ist die Geschichte von Bruno Manser 20 Jahre nach seinem verschwinden noch aktuell?

Natürlich ist da zunächst mal die Umweltproblematik, die heute sogar noch akzentuierter ist als zu Mansers Zeiten. Es geht aber auch um die Faszination für einen Menschen, der sich gegen übermenschliche Widerstände für etwas einsetzt - so eine Figur ist ein zeitloses Vorbild.

Sven Schelker als Bruno Manser

Sven Schelker als Bruno Manser

Werden Sie den Film auch in der Heimat der Penan zeigen?

Regisseur Niklaus Hilber und ich waren im Juni in Sarawak und haben eine Dschungelkino-Tour gemacht. SRF hat eine Reportersendung dazu realisiert, die kann man im Internet anschauen. [Link zur SRF Sendung]

Wie fallen die Reaktionen der Penan aus, die den Film schon gesehen haben?

Sehr unterschiedlich. Viele Menschen, die im tiefen Dschungel fernab von der Zivilisation leben, haben zum ersten Mal in ihrem Leben überhaupt einen Film gesehen. Sie sassen gebannt vor der Leinwand und verfolgten das Geschehen mit kindlichem Staunen. Andere Penan wiederum, die näher bei Städten lebten, wussten gar nicht mehr, wie ihre Vorfahren herumliefen und erfuhren viel über ihre eigenen Wurzeln.

Ein paar selbsternannte Manser-Experten unter den Filmkritikern behaupten, Bruno Manser sei gar nie vor einer Blockade gestanden. Haben Sie die Wahrheit verfälscht?


Dass Manser an einer Blockade stand und mit Holzfällern verhandelte ist verbürgt, wer weiss wieso Leute das Gegenteil behaupten. 

Ist BRUNO MANSER – DIE STIMME DES REGENWALDES ein politischer Film? (Thema Systemkritik)


Mit François Truffaut möchte ich sagen: Es ist kein politischer Film, aber ein Film, der politisch ist! Im Zentrum steht Bruno Manser, aber wir erzählen eine Geschichte über gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge in unserer globalisierten Welt.

Der Film hat zwar eine klassische Bildsprache, aber eine moderne Erzählweise. Welche Herausforderungen hatten Sie bei der Drehbuchentwicklung zu meistern?

Die Zeitspanne von 16 Jahren so zu komprimieren und die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge so zu vereinfachen, dass daraus ein spannender und zugänglicher Film wird, war für Niklaus Hilber und seine Ko-Autoren sicher die grösste Herausforderung.

Niklaus Hilber, Nick Kelesau, Elizabeth Ballang, Valentin Greutert, Sven Schelker, Philip Delaquis (v.l.n.r.)

ZFF Eröffnungsabend mit Niklaus Hilber, Nick Kelesau, Elizabeth Ballang, Valentin Greutert, Sven Schelker, Philip Delaquis (v.l.n.r.)

Sie hatten ursprünglich die Idee für diesen Film. Warum dauerte es so lange, bis er realisiert werden konnte?

Das hatte natürlich viele Gründe, doch wenn man sich das Vorhaben vor Augen führt „Wir wollen mit Indigenen und Holzfällern im Dschungel von Borneo einen Spielfilm drehen“, wird schon klar, dass das kein kurzer Spaziergang werden kann.

Warum haben Sie sich für Niklaus Hilber als Regisseur entschieden?

Hilber und mich verbindet eine lange Zusammenarbeit, Manser ist bereits unser dritter Film. Er ist ein unglaublich harter Arbeiter und wir haben eine grosse Übereinstimmung in der filmischen Vision. Das ist enorm wichtig, erst recht bei so einem grossen und schwierigen Projekt wie Manser.

Denken Sie, dass der Film auch in der Romandie funktionieren wird?

Deutschschweizer Filme funktionieren in der Regel fast gar nicht in der Romandie. Möge es bei „Manser“ anders sein!


Wird der Film nun auch ins Ausland verkauft?

Ja da sind Verhandlungen mit verschiedenen Ländern im Gange, aber Herausbringungsdaten sind noch keine bekannt.

Der Film feierte ja seine Weltpremiere am ZFF. Welche Erinnerungen haben Sie an den Abend?

Es war schlicht und ergreifend überwältigend. Nach dem Abspann gab es eine Standing Ovation, die nicht aufhören wollte. Ganz sicher war das der emotionale Höhepunkt bis jetzt für uns, auch, weil die beiden Penan-Hauptdarsteller mit uns dabei waren.

 
Interview: Christian Jungen


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