Ein Blick hinter die ZFF-Programmarbeit am Sundance Film Festival
Drei Monate ist es her seit dem #ZFF2025, doch die die Programmarbeit fürs nächste Zurich Film Festival hat längst begonnen – und dafür reist unser Team schon früh im Jahr an verschiedenste Film Festivals. Einer der ersten Stopps: das legendäre Sundance Film Festival.
Damit wir im Herbst die spannendsten neuen Stimmen und Geschichten präsentieren können, sichtet unser Programmteam bereits jetzt Filme, unter anderem auf internationalen Festivals. Vergangene Woche war unsere Head of Program, Anja Fröhner, am Sundance Film Festival unterwegs – einem der weltweit einflussreichsten Treffpunkte für unabhängiges Kino und ein wichtiger Taktgeber für kommende Filmjahre. Im Gespräch erzählt sie, warum Sundance bis heute ein Fixpunkt für das ZFF bleibt, wie ein typischer Tag dort aussieht und welche Filme dieses Jahr besonders herausgestochen sind.
Anja, das ZFF liegt knapp drei Monate zurück. Du bist bereits wieder in Mission fürs nächste ZFF unterwegs – diesmal beim Sundance Film Festival. Was genau führt dich dorthin?
Das Sundance Film Festival ist jedes Jahr der Auftakt unserer Programmarbeit. Die Filme, die in Sundance gezeigt werden, geben einen sehr guten Eindruck davon, was das kommende Filmjahr bereithält.
In seinen Anfangsjahren galt Sundance als Vorbild für das Zurich Film Festival. Inwiefern?
Das ZFF hat sich in der Anfangszeit stark an der Programmstruktur von Sundance orientiert – sowohl am generellen Fokus auf Independent Cinema als auch an den beiden Hauptwettbewerben, dem Spielfilm- und dem Dokumentarfilmwettbewerb.
Welche Rolle spielt Sundance heute noch für das ZFF?
Das Sundance Film Festival verfügt über ein ausgesprochen starkes Dokumentarfilmprogramm, zeigt aber auch immer einige spannende amerikanische Fiction-Filme, die dort versuchen, einen US-Verleih zu finden. Jedes Jahr gibt es ein bis zwei Filme, die für 15 bis 20 Millionen Dollar gekauft werden – der grosse Traum. Ob Dokumentar- oder Spielfilm: Die Filme, die uns am meisten überzeugen, möchten wir nach Zürich bringen.
Wie sieht ein typischer Tag für dich dort aus? Den ganzen Tag Filme schauen – oder steckt noch mehr dahinter?
Man schaut tatsächlich sehr viele Filme, allerdings ist das deutlich weniger glamourös, als man vielleicht erwartet. Morgens um 7.15 Uhr verlasse ich das Apartment und mache mich auf den Weg zu den Industry Screenings, die um 8.30 Uhr beginnen. Oft muss man 45 Minuten vorher anstehen, um sicher reinzukommen. Da es meist sehr kalt ist, warten alle in riesigen Zelten. Häufig stellt man sich nach einem Film gleich wieder an. Die Schlange ist aber auch der beste Ort zum Networken: Oft steht man neben Distribution Executives, mit denen man sonst nicht so einfach ein Meeting bekommen würde.
Gibt es in diesem Jahr ein Highlight, das dich besonders beeindruckt hat?
Ein Highlight ist FRANK & LOUIS der Schweizer Regisseurin Petra Volpe. Es ist schön zu sehen, dass eine Schweizer Produktion so viel Aufmerksamkeit und so gute Kritiken erhält. Es ist ihr englischsprachiges Debüt nach HELDIN, und bei der Premiere ihres neuen Films gab es sogar eine Standing Ovation. Ein zweites Highlight war der Dokumentarfilm KNIFE: THE ATTEMPTED MURDER OF SALMAN RUSHDIE über die Genesung von Salman Rushdie nach dem Mordversuch auf ihn, besonders weil es im Anschluss an das Screening ein sehr spannendes Gespräch mit ihm gab.
Nach so vielen Jahren in Park City zieht das Festival nächstes Jahr nach Boulder, Colorado. Was machte Park City für dich und für das Festival besonders?
Park City hatte allein schon aufgrund der Geschichte des Festivals und seines Gründers Robert Redford – der 2025 verstorben ist – etwas ganz Besonderes. Sehr beeindruckend fand ich dort immer die Landschaft, besonders wenn die Sonne tatsächlich scheint. Man kommt aus dem Kino und ist von Bergen und Natur umgeben, die ganz anders aussehen als bei uns.
Nach vielen Jahren fühlt man sich hier einfach wohl – man kennt alle Kinos, weiss, wie gross sie sind und wie die Chancen stehen, hineinzukommen. Man kennt auch alle Restaurant-Tipps und Busrouten. Ich denke, das ist es vor allem, was viele vermissen werden. Gleichzeitig ist Boulder grösser, hat eine bessere Infrastruktur und ist damit auch etwas günstiger – das wird viele Filmschaffende freuen.