Karl Spoerri: «Es ist wichtig, dass man über den Tellerrand hinausschaut»

06. September 2019

Der Zurich Summit ist ein hochkarätiges Branchentreffen, das traditionellerweise am ersten Festivalwochenende im Hotel Dolder Grand stattfindet. Dort besprechen Industry-Leaders aus den USA und Europa die Herausforderungen der Filmwirtschaft. ZFF-Co-Direktor Karl Spoerri sagt, dieses Jahr seien der Streaming-War und das grosse Bedürfnis nach lokal verwurzelten Filmen zwei der Top-Themen.

Karl Spoerri (Foto: Geri Born)

Karl Spoerri (Foto: Geri Born)

Herr Spoerri, dieses Jahr findet der Zurich Summit zum 6. Mal statt. Was ist das für eine Veranstaltung?

KS: Die Film- und TV-Branche befindet sich im Wandel. Viele Modelle – von der Finanzierung bis zur Auswertung – verändern sich radikal. Netflix, Amazon, Apple oder Disney+ verändern die Sehgewohnheiten des Publikums. Gleichzeitig bringen sie aber auch Chancen für Produzenten und Kreative, die aber mit Traditionen brechen müssen. Diese Themen adressieren wir am Summit, einer Konferenz, die im Hotel Dolder Grand am ersten Wochenende des Zurich Film Festival stattfindet. Die Veranstaltung ist auch eine hervorragende Plattform um sich zu vernetzen.

Wie ist es zu diesem Summit gekommen – wer hatte die Idee?

Gemeinsam mit Katherine Winston und Amy Baker haben wir 2010 das Film Finance Forum nach Zürich geholt. Aber uns war das bald thematisch zu eng gefasst und wir wollten die Themen weiter fassen und Themen wie Virtual Reality, Augmented Reality, Vermarktung und Digitalisierung thematisieren. Darum haben wir 2014 den Summit ins Leben gerufen. In den vergangenen Jahren haben wir unzählige Oscar-Preisträger wie GREEN BOOK-Produzent Jonathan King von Participant Media, John Lesher (BIRDMAN) oder Oliver Stone (JFK), alle grossen Talent-Agenturen aus Hollywood wie CAA, WME und UTA, CEOs von börsenkotierten Medienunternehmen, Innovatoren, Gründer aber auch viele einheimische Produzenten und Kreative im Dolder begrüssen dürfen.

Conference Day am Zurich Summit

Welches sind die grossen Themen dieses Jahr?

Es gibt heute für Produzenten und Filmemacher eine noch nie dagewesene Chance, ihre Geschichte zu erzählen. Grosse Teile unserer lokalen Branche sehen diese Chance aber noch zu wenig. Förderung durch das Bundesamt für Kultur, die Zürcher Filmstiftung und SRF stellt für die meisten noch immer der einzige Weg dar, ihre Projekte zu finanzieren. Damit befindet man sich aber im ewigen Abhängigkeitsverhältnis. Wir wollen der Branche am Summit vermitteln, dass es auch andere Wege gibt, ihre Geschichten auf die Leinwand respektive den Bildschirm zu bringen. Es ist wichtig, dass man über den Tellerrand hinausschaut. Jedes Mal, wenn ich mit internationalen Filmexperten spreche, kommt das Thema „Local Language Production“ auf. Das scheint einer der der grossen Trends in der Filmindustrie.

Woher rührt der Trend, lokal verwurzelte Geschichten in Originalsprachen zu produzieren?

Das hat zwei Gründe. Zum einen müssen die Streaming-Giganten in Europa von Gesetzes wegen Local Language Produktion realisieren. In den kommenden Jahren wird es noch viel mehr Eigenproduktionen geben als heute.  Für Filmemacher und Autoren sind das sehr gute Aussichten. Zum anderen ist die Suche nach Intellectual Property (IP).

Was braucht es Ihrer Meinung nach, um mit lokal verwurzelten Filme zu reüssieren?

Es braucht gute Geschichten, Geld um diese zu realisieren und Mut neue Wege zu gehen.

Fabien Riggall, Gründer und Creative Director von Future shorts, Future Cinema und Secret Cinema

Am sogenannten «Sheep»-Talk werden die Regisseure von A SHAUN THE SHEEP MOVIE: FARMAGEDDON aus den Aardman-Studios über die Bedeutung von Family-Entertainment sprechen. Wie schätzen Sie diesen Sektor ein? Wird ihm in der Schweiz genügend Rechnung getragen?

Wenn man auf die Hitliste der erfolgreichsten Schweizer Filme schaut, dann belegen Family-Filme wie HEIDI, MEIN NAME IST EUGEN oder SCHELLEN-URSLI Topplätze. Aber es gibt gemessen am Produktionsvolumen zu wenig Family-Entertainment aus der Schweiz. Dabei bieten diese Filme für viele Zuschauer einen ersten Zugang zum einheimischen Filmschaffen.

SRG-Generaldirektor Gilles Marchand und SRF-Direktorin Nathalie Wappler sind ebenfalls zu Besuch. Über was werden Sie sprechen?

Sie werden sicher über die neuen Initiativen im fiktionalen Programm sprechen. Und über die inhaltliche Ausrichtung. Ich freue mich sehr, dass beide kommen und uns mehr über ihre Ambitionen verraten werden.

Lohnt es sich für Schweizer Branchenvertreter überhaupt, an den Summit zu kommen – haben sie wirklich eine Chance, mit den hohen Tieren aus LA ins Gespräch zu kommen?

Das wurde bisweilen vermisst. Darum gibt es jetzt dieses Jahr zum ersten Mal Roundtables, wo man mit den Speakern in den direkten Austausch kommen kann.

Es fällt auf, dass mehrere hochrangige Industry-Leaders an den Summit zurückkehren, z. B. John Lesher, Greg Shapiro, Roeg Sutherland oder Patrick Wachsberger. Was schätzen diese Industry-Executives am Summit?

Der Summit ist eine Boutique-Konferenz. Es gibt viele qualitative Treffen und daraus entstehen neue Deals und Projekte. Das ist der große Unterschied zu Cannes oder Toronto. Am Sonntag kommen sie sich dann bei unserem Tennis Turnier im Dolder noch auf der privater Ebene näher. Das verbindet und schafft vertrauen.

Gruppenfoto am Zurich Summit

Etwas weniger stark vertreten ist die französische Filmindustrie. Haben Sie kein Interesse an dieser?

Traditionell ist der Summit eher auf den deutsch- und englischsprachigen Markt fokussiert. Frankreich wollen wir aber zukünftig noch mehr einbinden. Immerhin kommen dieses Jahr Vincent Maraval, der Chef vom führenden französischen World-Sales Wild Bunch, Emilie Georges, die Chefin von Memento, Yohan Comte, der Gründer von Charades oder Caroline Benjo und Carole Scotta von Haut et Court, zum Summit.

Sie sind der Gastgeber. Haben Sie neben dem Programm, das am ersten Wochenende viele Höhepunkte bietet, überhaupt Zeit für den Summit?

Ja, das ist für mich ein Pflichttermin. Schon alleine wegen der vielen Freunde, welche ich mittlerweile am Summit jedes Jahr treffe.

Karl Spoerri beim Tennis-Turnier

Sportlicher Einsatz am Zurich Summit: Karl Spoerri beim Tennis-Turnier

Im Anschluss an den Summit gibt noch ein Tennis-Turnier. Wer spielt am stärksten und welches war bisher ihre beste Klassierung?

Wir haben jedes Jahr ein sehr starkes Doppel von Sky Germany. Peter und Patrick Schaumlechner von Impuls Pictures haben auch schon mal gewonnen - sie hatten aber auch Glück mit der Auslosung! Bei mir war leider immer im Halbfinal Schluss. Dieses Jahr gibt es neu auch noch den Einzelwettbewerb (nicht nur Doppel). Es sind also keine Ausreden mehr möglich.

Interview: Christian Jungen

ZURICH SUMMIT
Weitere Informationen und Anmeldung: www.zurichsummit.com


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