«Ich bin gespannt, wie die Schweiz 
auf Play Suisse reagieren wird»

05. November 2020

Am Samstag, 7. November lanciert die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR ihre Streaming-Plattform Play Suisse. Das neue Angebot wurde erstmals im Rahmen des Zurich Summit vorgestellt. Nun sprachen wir mit Bakel Walden, Direktor Entwicklung und Angebot sowie Leiter des Digital Boards der SRG über die neue Plattform, sein persönliches Streaming-Verhalten und die Affinität zum Film.

Bild oben: Die Streaming-Plattform Play Suisse wird am Zurich Summit erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt

Bakel Walden, was darf man denn von dieser neuen Streaming-Plattform erwarten?

Auf Play Suisse bieten wir Highlights unserer Eigen- und Koproduktionen der Unternehmenseinheiten SRF, RSI, RTR und RTS. Also Filme, Serien, Dokumentationen, Reportagen, Archivperlen - und dies zum ersten Mal überhaupt ohne Sprachbarrieren. Die Beiträge in Originalsprache sind nämlich mit Untertiteln in Deutsch, Französisch und Italienisch versehen. Teilweise werden sie zusätzlich noch synchronisiert. Ausgewählte Titel sind auch mit rätoromanischen Untertiteln verfügbar.

Aber die gesendeten Beiträge kann man doch heute bereits auf den Online-Plattformen beispielsweise von SRF nachschauen.

Das ist richtig und diese Play-Plattformen werden auch bestehen bleiben. Auf Play Suisse bündeln wir aber erstmals das Angebot aus allen Sprachregionen thematisch, völlig losgelöst von der Kanal-Logik. Wir fokussieren auf eine sehr gute Auffindbarkeit der Inhalte und neue Nutzungsformen, wie beispielsweise Binge-Watching unserer Serien. Zudem lernt Play Suisse dank einem Login Ihre Vorlieben kennen und bietet Ihnen in der Folge Inhalte an, die für Sie spannend sind. Durch dieses personalisierte Empfehlungssystem kann man neu auch bisher unbekannte Angebote aus anderen Sprachregionen entdecken.

Sie haben Play Swiss erstmals am Zurich Film Festival im Rahmen des Summit vorgestellt. Welche Eindrücke nahmen Sie mit?

Es war ein tolles Erlebnis, nach so vielen Monaten wieder physisch mit Vertreter*innen der Filmbranche zusammenzutreffen. Das Engagement des Festival-Teams, durch das dieses Treffen möglich war, hat mich beeindruckt. Und so war das Zurich Film Festival für uns die perfekte Plattform, unser Projekt vorzustellen, an dem wir ebenfalls mit viel Herzblut arbeiten.

Bakel Walden (Direktor Entwicklung und Angebot sowie Leiter des Digital Boards der SRG)

Wird der Zugriff auf die Plattform kostenpflichtig sein?

Nein, die Nutzung von Play Suisse ist über die Medienabgabe, die jeder Haushalt zahlt, abgegolten. Play Suisse ist ein Zusatz-Angebot der SRG und ohne zusätzliche Kosten nutzbar.

Anlässlich des Summit monierte ein Verleiher, die SRG würde Gesetze brechen, weil sie die Verleiher nicht entschädige. Was sagen Sie dazu?

Dieses Feedback hat mich sehr überrascht. Im letzten Jahr durfte ich für die SRG die Verhandlungen zum «Pacte de l'audiovisuel» leiten, der Branchenvereinbarung für das Schweizer Filmschaffen. Dort haben wir nicht nur gemeinsam mit der Branche die Senderechte für die Onlineverbreitung vereinbart, sondern auch den Produzent*innen für jede Produktion die freie Wahl gelassen, ob sie auf Play Suisse sein möchten oder nicht. Und das natürlich grundsätzlich immer gegen Entschädigung. Die SRG investiert hier zusätzliche Mittel in den Markt. Insofern kann ich den Einwand überhaupt nicht nachvollziehen, stehe aber jederzeit gerne für einen Austausch dazu mit dem Festivalgast zur Verfügung.

Will die SRG mit der Streamingplattform internationale Riesen wie Netflix konkurrenzieren? 

Mit Weltkonzernen wie Netflix, Apple oder Disney mit ihren enormen Budgets kann man als SRG nicht konkurrieren, die spielen in einer ganz anderen Liga. Netflix gibt beispielsweise pro Jahr so viel für die Plattform aus wie die SRG in zehn Jahren für ihr viersprachiges TV-, Radio- und Onlineangebot. Unser Fokus liegt auf den Schweizer Inhalten, auf einer besseren Präsenz und einer Stärkung unseres Kulturschaffens. Play Suisse ist also ein komplementäres Angebot in diesem unglaublich dynamischen Markt. 

Wie regelt dies die SRG bezüglich der Rechtesituation?

Das Angebot besteht in erster Linie aus Eigenproduktionen der SRG-Unternehmenseinheiten SRF, RTS, RSI, RTR und Koproduktionen, an denen die SRG beteiligt ist. Im aktuellen Pacte de l'audiovisuel konnten wir zum ersten Mal gemeinsam mit der Branche die Struktur von Streamingrechte verhandeln. Das waren herausfordernde, aber sehr konstruktive Gespräche.  Somit können wir nun nach Ablauf der vereinbarten Rechte eine Verlängerung der Nutzungsrechte zu einem Standardtarif vereinbaren. Und den unabhängigen Produzenten steht es dann frei, das Angebot anzunehmen oder abzulehnen.  

Der Zugriff auf Play Suisse ist gratis, Werbung gibt es keine – wie finanziert die SRG in Zeiten des Sparens diese Plattform? 

Wir haben 2018 ein Reform- und Effizienzsteigerungsprogramm lanciert mit dessen Hilfe wir unter anderem CHF 20 Mio. pro Jahr in das Angebot re-investieren können. Der Grossteil davon fliesst in serielle Eigenproduktionen. Rund ein Viertel, also 5 Mio., stehen für die Plattform zur Verfügung.

Die SRG ist nebst dem Bundesamt für Kultur die wichtigste Förderin des Schweizer Filmschaffens. Wie sicher ist diese Förderung angesichts der Sparbemühungen der SRG, von denen man hört?

Die SRG engagiert sich stark bei der Produktion von Filmen, Serien und Dokumentationen. So haben wir zum Beispiel den aktuellen «Pacte de l’audiovisuel» in den Verhandlungen um CHF 5 Millionen auf CHF 32,5 Mio erhöht. Dieser Vertrag gilt noch bis Ende 2023. Auch in der finanziell herausfordernden Lage ist und bleibt die SRG also eine verlässliche Partnerin des Schweizer Filmschaffens.

Wie steht es um ihr eigenes Streaming-Verhalten?

In der Tat heisst es bei meinem Medienkonsum «online first», und zwar mit unseren eigenen Plattformen und über verschiedene Abos. Auf Play Suisse freue ich mich deshalb persönlich sehr. Es stehen nicht nur die beiden fantastischen Serien-Premieren «Frieden» und «Cellule de crise» auf meiner «Watch-Liste» für die ersten Wochen, sondern ich bin auf die zahlreichen Dokumentationen gespannt, die es auf der Plattform neu zu entdecken gibt. Bei dieser Themenauswahl sind viele erlebnisreiche Stunden mit Play Suisse gesichert. Und neben dem privaten Konsum bin ich jetzt vor allem auf das Feedback der Schweizerinnen und Schweizer auf unser neues Angebot gespannt.

Mehr Informationen zu Play Suisse finden Sie auch hier

 
Bakel Walden, 45, übernahm im Januar 2018 in der SRG-Geschäftsleitung die neu geschaffene Direktion «Entwicklung und Angebot» sowie die Leitung des Digital Boards. Mit seinem Team fokussiert er auf die interregionalen Aktivitäten der SRG im Kerngeschäft, wie digitale Transformation, Forschung, Kommunikation, Filmförderung und internationale Aktivitäten. Bakel Walden studierte an den Universitäten Siegen (DE) und Poitiers (FR) Medienplanung, -entwicklung und -beratung (M.A.). Anschliessend arbeitete er während seiner zehnjährigen Tätigkeit für die RTL Group unter anderem im Strategieteam der Luxemburger Zentrale (2006–2008) und als Leiter Programmplanung und -entwicklung für die griechische Tochtergesellschaft Alpha TV (2009–2012). Von 2012 bis 2017 war Bakel Walden der Bereichsleiter Programmstrategie SRF. 


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