Mit der neuen Sektion Now/Future präsentiert das Zurich Film Festival dieses Jahr neun Spiel- und Dokumentarfilme, die sich mit Menschenrechten, sozialen Konflikten und nachhaltiger Entwicklung auseinandersetzen. Teil der diesjährigen Selektion sind unter anderem TIME AND WATER der oscarnominierten Regisseurin Sara Dosa sowie der Dokumentarfilm LOW LIES THE LAND über das kulturelle Erbe des Piemont.
Vom 24. September bis 4. Oktober beleuchtet die Sektion Now/Future mit neun Spiel- und Dokumentarfilmen globale Herausforderungen und rückt Menschen in den Mittelpunkt, die sich für Gleichheit und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Gleichzeitig präsentieren die Filme der Sektion gesellschaftliche Denkanstösse und Zukunftsstrategien – ökologisch, sozial, gesellschaftlich und wirtschaftlich. So verbindet die Sektion das Heute mit dem Morgen. Die Sektion Now/Future wird in Zusammenarbeit mit der EurAsia Heart Foundation und der Demenz Forschung Schweiz gezeigt.
TIME AND WATER von Sara Dosa
Wie verabschiedet man sich von etwas, von dem man nie gedacht hätte, dass man es verlieren könnte? Mit dem Auftrag betraut, die Grabrede für den Okjökull zu verfassen – den ersten Gletscher, der aufgrund des Klimawandels für tot erklärt wurde – reflektiert der isländische Schriftsteller Andri Snær Magnason darüber, wie Gletscher über Millionen von Jahren hinweg in ihrem Eis ein Archiv längst vergangener Zeiten schaffen. Gestützt auf eine stimmungsvolle Mischung aus Fotografien, Heimvideos und Volksmärchen ist TIME AND WATER zugleich eine Ode an das, was wir verloren haben, und unternimmt den Versuch einer filmischen Zeitreise, um es zu bewahren.
LOW LIES THE LAND von Emanuele Gerosa
Eingebettet in die Weinberge des Piemonts bewirtschaften drei Familien seit Generationen das traditionsreiche Land. Doch steigende Temperaturen, Wasserknappheit und die Abwanderung der jungen Generation in die Städte setzen den traditionsreichen Weinbau unter Druck. Inmitten wachsender Unsicherheit taucht ein Makler mit verlockenden Kaufangeboten auf. Doch kann finanzieller Gewinn den enormen Verlust an kulturellem Erbe aufwiegen? Über ein Jahr hinweg zeichnet LOW LIES THE LAND ein intimes und humorvolles Portrait der Familien – an Küchentischen, bei Ernteessen, zwischen Weinreben. Ein Film über Tradition und das Überleben in einer sich wandelnden Welt.
LIFE SUPPORT von Daniele Rugo
Seit Oktober 2023 ist der Gazastreifen von der Welt abgeschnitten. Während internationalen Medien der Zugang zu Gaza verwehrt wird, sind internationale Ärzte die einzigen Aussenstehenden, die das Gebiet betreten dürfen. LIFE SUPPORT basiert auf ihren Augenzeugenberichten und legt mit drastischen Aufnahmen die tägliche Realität in den Krankenhäusern von Gaza offen: Kinder in medizinischer Notversorgung, schwindende Vorräte, Hunger und ein überwältigender Zustrom von Verletzten. Ergänzt durch Aufnahmen lokaler Kameraleute entsteht eine schonungslose Dokumentation, die sich mit den menschlichen Folgen des Krieges auseinandersetzt.
OUR SHARE OF SAND von Shalini Adnani
Nach Jahren der Trennung kehrt die 12-jährige Maya mit ihrer Mutter nach Indien zurück, um ihren Vater wiederzusehen, der ein erfolgreiches Sandabbauunternehmen führt. Während Maya versucht, eine Beziehung zu ihm aufzubauen, freundet sie sich mit dem jungen Arbeiter Kiran an. Doch als ein tragischer Unfall die Region erschüttert, wird Maya zur Hauptzeugin, während ihr Vater darauf angewiesen ist, dass ihre Aussage ihn entlastet. Hin- und hergerissen zwischen familiärer Loyalität und wachsenden Zweifeln beginnt Maya, den Ursachen der Tragödie nachzugehen. Dabei muss sie sich den dunklen Wahrheiten ihres familiären Erbes stellen.
RESCUE von Sine Plambech
Vor der libyschen Küste wird ein mit Flüchtling überfülltes Schlauchboot von der Besatzung des Rettungsschiffs «Geo Barents» entdeckt. Während der Rettungsaktion greifen libysche Milizionäre ein und verschleppen mehrere Menschen, darunter Roro und ihre beiden kleinen Kinder. Über Monate hinweg begleitet Regisseurin Sine Plambech Roros Ehemann Hani und seinen Kampf um die Wiedervereinigung seiner Familie. Zugleich legt RESCUE ein politisches System offen, in dem Milizen Menschen als Geiseln festhalten, während Europa Milliarden in die Abschottung von Migration investiert. Plambechs grossartige Regiearbeit macht daraus einen Dokumentarfilm von kaum fassbarer Dramatik.
MATERIA PRIMA von Jens Schanze
In den bolivianischen Anden befindet sich das grösste Lithiumvorkommen der Welt – ein Rohstoff, der für die Energiewende unverzichtbar geworden ist. Während Europa und internationale Unternehmen um Zugang ringen und die bolivianische Regierung auf wirtschaftlichen Aufschwung hofft, wächst vor Ort der Widerstand. MATERIA PRIMA begleitet Landwirte, Hirten, Bergarbeiter, Aktivistinnen sowie politische Akteure und beleuchtet die unterschiedlichen Erwartungen an den Lithiumabbau. Vor dem Hintergrund der kolonialen Vergangenheit Boliviens stellt sich dabei die Frage: Bestärkt der neue Wettlauf um Lithium alte Machtverhältnisse?
ENJOY YOUR STAY von Dominik Locher, Honeylyn Joy Alipio
Die 35-jährige Liz arbeitet seit Jahren ohne Papiere als philippinische Putzkraft in der Schweiz. Für die Wintersaison wird sie ins Luxus-Skiresort Verbier geschickt, wo sie für Thibault, den Manager einer Reinigungsfirma, Ferienhäuser putzt. In ständiger Angst, abgeschoben zu werden, ist sie ihrer prekären Situation schutzlos ausgeliefert. Kurz vor Silvester wird Liz’s Leben zusätzlich erschüttert: Damit sie das Sorgerecht für ihre in Manila lebende Tochter Sofia nicht verliert, muss sie dringend genug Geld zusammenbringen – auch wenn das bedeutet, dass sie ihre Community verraten und die eigenen moralischen Grenzen überschreiten muss.
DEREK VS. DEREK von James Dawson
Auf einer Landstrasse in Devon prallen zwei gegensätzliche Visionen über die Zukunft der Landwirtschaft aufeinander. Der Milchbauer Derek Banbury setzt auf Produktivität und Nahrungsmittelproduktion, während sein Nachbar, ebenfalls Derek genannt, seinen einst profitablen Hof in eine Oase für die Natur verwandelt. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie wir unser Land künftig bewirtschaften wollen: für maximale Erträge oder für die Natur? Ein gleichermassen unverblümter, witziger und herzerwärmender Film über die Zukunft der Landwirtschaft.
KNIFE: THE ATTEMPTED MURDER OF SALMAN RUSHDIE von Alex Gibney
15 Stichwunden: Dies überlebte der weltberühmte Autor Salman Rushdie nach einem brutalen Mordanschlag in New York. Nachdem sein Roman «Die satanischen Verse» 1989 eine Fatwa und jahrzehntelange Todesdrohungen ausgelöst hatte, wird Rushdie 2022 schwer verletzt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau beschliesst er seine langsame Rückkehr ins Leben zu dokumentieren. In einer zunehmend polarisierten Welt zeigt Rushdies Geschichte eine eindringliche Verteidigung der freien Meinungsäusserung – und zugleich das bewegende Portrait eines Mannes, der sich nach einem beinahe tödlichen Angriff sein Leben und seine Stimme neu erkämpft.
Das vollständige Programm des 22. ZFF wird am Mittwoch, den 9. September, ab 12:00 Uhr auf der Website veröffentlicht. Der Ticketverkauf startet am Montag, dem 14. September 2026.