Der Südkoreaner überzeugte die Jury unter Oscar-Preisträger Gabriel Yared. Drei Soundtracks zum neunminütigen Kurzfilm THE SHYNESS OF TREES standen im Zentrum des diesjährigen Internationalen Filmmusikwettbewerbs (IFMW) – und sie waren so unterschiedlich wie die drei Komponisten, die sie geschrieben hatten. Da war zunächst der Schwede Carl Falkenau, der es bereits zum dritten Mal ins Finale des Wettbewerbs geschafft hat, was angesichts einer anonymen Beurteilung von 146 Einreichungen aus 36 Ländern mehr als beachtlich ist. Natürlich würde er sich freuen, wenn es diesmal klappen würde mit dem Goldenen Auge, sagte er mit leicht selbstironisch gefärbter Gelassenheit, «aber wenn nicht, komme ich nächstes Mal wieder».
Brendan Galvin als zweiter Finalist erzählte der Moderatorin Sandra Studer, wie er als Amerikaner in Neuseeland gelandet ist. Semin Son schliesslich, der erstmals überhaupt in die Schweiz gereist war, sagte einen Satz auf Koreanisch und lieferte dann die Übersetzung nach. Sie lautete: «Ich möchte diesen Wettbewerb gewinnen.»
Und ja, er gewann tatsächlich. Seine Musik reflektiere ein tiefes Verständnis der Geschichte dieses Animationsfilms, der von einer Tochter und einer Mutter, von Verlust und Trost erzählt, «und sie findet genau den richtigen poetischen Ton für die Bilder», rühmte Jury-Präsident und Oscar-Preisträger Gabriel Yared. «Besonders mochten wir deine farbige und kreative Instrumentierung und die Art, wie du das Lied der Mutter zu einem musikalischen Thema entwickelt hast.»
Vor dem Wettbewerb hatte das Tonhalle-Orchester Zürich Werke des Schweizer Filmmusikduos Michael Künstle und Matteo Pagamici vorgestellt, die einst selbst als Gewinner beziehungsweise Finalist auf der IFMW-Bühne gestanden hatten – und nun neben Gabriel Yared, der Schauspielerin Martina Gedeck und dem Dirigenten Frank Strobel die Jury bildeten.
Danach, in der zweiten Konzerthälfte, stand dann der Jury-Präsident selbst gleich dreifach im Rampenlicht: Als Komponist von Filmmusiken zu L'AMANT, THE TALENTED MR RIPLEY und THE ENGLISH PATIENT (wobei letztere ihm 1997 einen Oscar eingetragen hatte); als Pianist in diesen Werken; und schliesslich als Preisträger des zweiten Goldenen Auges, das an diesem glamourösen Abend vergeben wurde: Reta Guetg, Direktorin des Zurich Film Festival, übergab ihm diesen Career Achievement Award mit einer Laudatio, die so warmherzig war, dass Gabriel Yared seine vorbereitete Dankesrede kurzerhand durch eine spontane, ebenso herzliche Version ersetzte.
Was gab es sonst noch? Zum Beispiel den Bandoneon-Spieler Juanjo Mosalini und die Sängerin Héloïse Poulet, die das sowieso schon facettenreiche musikalische Spektrum überaus atmosphärisch erweiterten. Oder Musik und Bilder aus den Klassikern LAWRENCE OF ARABIA und CASABLANCA Und nicht zuletzt ein Publikum, das die Filmmusik und alle Protagonist*innen des Abends enthusiastisch feierte.