137 000 Besucherinnen und Besucher am 18. ZFF

02. Oktober 2022

Das 18. Zurich Film Festival geht heute Abend mit einem Besucherrekord zu Ende. Es zählte 137’000 Eintritte – das sind 20’000 mehr als im Vor-Pandemie-Jahr 2019. Das ZFF bleibt damit das grösste Filmfestival der Schweiz. Stars wie Eddie Redmayne, Charlotte Gainsbourg oder Liam Neeson freuten sich ebenso über den Kontakt mit dem Publikum wie Regisseure wie Luca Guadagnino, Mia Hansen-Løve oder Kirill Serebrennikov. Als Publikumsknüller erwies sich der Swiss-Ploitation-Film MAD HEIDI, bei dem alle Vorstellungen ausverkauft waren.

Elena Avdija (oben), Regisseurin von CASCADEUSES, und Regisseur Reed Harkness (links) mit den Produzenten von SAM NOW (unten) an der Award Night im Opernhaus Zürich.

Das Zurich Film Festival bleibt auf starkem Wachstumskurs: Es verzeichnete mit 137’000 Besucherinnen und Besuchern 15 Prozent mehr Eintritte als im Jahr 2019. Insgesamt wurden 146 Filme aus 49 Ländern gezeigt. «Unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen», erklärt Christian Jungen, Artistic Director des Zurich Film Festival. «Die letzten Tage haben eindrücklich gezeigt, dass die Menschen nach zwei Jahren Pandemie wieder grosse Lust auf Kino und gemeinsame Filmerlebnisse haben. Die Stimmung war von Beginn weg sehr positiv und viele internationale Gäste waren beeindruckt davon, wie sehr das Autorenkino in Zürich vom Publik wertgeschätzt wird.»

Zum starken Wachstum beigetragen hat der Kongresssaal mit 1200 Plätzen, der nun erstmals die ganzen elf Festivaltage bespielt wurde. Zudem konnte das ZFF mit 38 so viele Welt- und Europapremieren zeigen wie noch nie in seiner Geschichte. Charlotte Gainsbourg, die ein Goldenes Auge erhielt, und Rebel Wilson stellten ihr Drama THE ALMOND AND THE SEARHORSE als Weltpremiere vor und Publikumsliebling Eddie Redmayne, der ebenfalls ein Goldenes Auge erhielt, präsentierte den Thriller THE GOOD NURSE als Europapremiere.

Charlotte Gainsbourg, Eddie Redmayne und Luca Guadagnino mit ihren Auszeichnungen am 18. ZFF.

Weitere Stars am ZFF waren Liam Neeson, Diane Kruger, Matthias Schweighöfer, Iris Berben, Daniel Brühl und Til Schweiger. Zudem stellten zahlreiche renommierten Autorenfilmer wie Luca Guadagnino (BONES AND ALL), Neil Jordan (MARLOWE), Louis Garrel (L’INNOCENT), Bill Pohlad (DREAMIN’ WILD), Cristian Mungiu (R.M.N.), Mia Hansen-Løve (UN BEAU MATIN), Lukas Dhont (CLOSE) oder Kirill Serebrennikov (TSCHAIKOWSKY’S WIFE) ihre Werke persönlich dem Publikum vor.
Am stärksten ist das Wachstum in den drei Wettbewerben, in denen erste, zweite und dritte Regiearbeiten gezeigt werden. «Uns ist es in den letzten Jahren gelungen, ein cinéphiles Stammpublikum zu gewinnen, das neugierig ist auf die Arbeiten von Nachwuchstalenten und auch am Nachmittag ins Kino geht. Dieses Jahr waren, gewiss auch wegen des anhaltenden Regenwetters, so viele Nachmittagsvorstellungen ausverkauft wie noch nie», sagt Christian Jungen. «Nun hoffen wir, dass die Menschen auch nach dem ZFF wieder fleissig ins Kino gehen. Denn letztlich möchten wir mit dem Festival auch dazubeitragen, die Kinokultur lebendig zu erhalten.»

Im Rahmen der glamourösen Award Night wurden gestern Abend im Opernhaus Zürich die mit je 25’ 000 Franken dotierten Goldenen Augen an die Gewinner und Gewinnerinnen der Wettbewerbe verliehen.

Die Gewinnerfilme des 18. Zurich Film Festival

Das Goldene Auge des Fokus-Wettbewerbs ging an CASCADEUSES der Westschweizerin Elena Avdija. Sie porträtiert drei Stuntfrauen, die in ihrem Berufsalltag oft Opfer verkörpern und geschlagen werden. Der Dokumentarfilm zeigt ihren unglamourösen Arbeitsalltag und wirft ein Schlaglicht auf die oft von sexistischer Gewalt geprägte Darstellung von Frauen im Film. Eine lobende Erwähnung erhielt auch FOUDRE von Carmen Jaquier.

Das Goldene Auge des Spielfilm-Wettbewerbs ging an LOS REYES DEL MUNDO von Laura Mora Ortega aus Kolumbien. Sie erzählt von fünf Jugendlichen am Rande der Gesellschaft, die kaum eine Chance haben, zu ihrem Recht zu kommen. Der zweifache Oscarpreisträger und Jurypräsident Asghar Farhadi aus dem Iran nutzte die Gelegenheit, um im Namen aller Juroren die Solidarität mit den Frauen in Iran zu bekunden, die sich gegen das Regime ihres Landes auflehnen. Auch Regisseurin Laura Mora Ortega solidarisierte sich in ihrer Dankesrede mit den Frauen in Iran.

Das Goldene Auge des Dokumentarfilm-Wettbewerbs ging an SAM NOW von Reed Harkness. Anhand von eigenen Super-8-Aufnahmen und Homevideos aus dem reichhaltigen Familienarchiv erzählt Filmemacher Reed Harkness in dem Dokumentarfilm mit feinem Humor von den Wunden der Trennung und der Kraft der Versöhnung. Je eine lobende Erwähnung erhielten THE KILLING OF A JOURNALIST von Matt Sarnecki über die Ermordung eines Ringier-Journalisten in der Slowakei und THE NEW GREATNESS CASE von Anna Shishova, der einen einmaligen Einblick in den russischen Widerstand bietet.

Starker Auftritt von Schweizer Filmen

Nebst dem Gastland Spanien hatte auch der Schweizer Film einen starken Auftritt. Gezeigt wurden 18 einheimische Produktionen, darunter die Weltpremiere der Best-Ager-Komödie DIE GOLDENEN JAHRE von Barbara Kulcsar und die Weltpremiere von Laurent Nègres historischem Drama A FORGOTTEN MAN über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Das stimmungsvollste Screening des ganzen Festivals war jedoch die Premiere von MAD HEIDI von Johannes Hartmann und Sandro Klopfstein, der im Kongresshaus von einer tobenden Menge frenetisch gefeiert wurde. Der Film war sofort ausverkauft, so dass das ZFF noch eine Zusatzvorstellung am Samstagabend im Kino Corso anberaumte.

Auch der Zurich Summit, der letztes Wochenende im Dolder Grand stattfand, war ein grosser Erfolg. Internationale Führungspersönlichkeiten aus der Filmbranche trafen sich, um über die Herausforderungen der Filmwirtschaft zu diskutieren. Unter den Teilnehmern waren auch Tom Bernard und Michael Barker, die Gründer und Co-Präsidenten von Sony Pictures Classics. Die beiden Pioniere wurden anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums ihres Studios mit dem Game Changer Award ausgezeichnet.

Tom Bernard (links) und Michael Barker (rechts) wurden mit dem Game Changer Award geehrt.© Gabriel Hill for ZFF


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