«Wir bleiben Optimisten»

14. Januar 2021

Das ZFF-Führungsduo wirft einen Blick in die Zukunft: Direktor Christian Jungen und Elke Mayer, Leiterin der Vermarktungs- und Event-Agentur Spoundation Motion Picture AG, schauen auf die kommende Festivalausgabe und erklären, warum sie überzeugt sind, dass auch 2021 wieder viele hochkarätige Filme am ZFF laufen werden.

Christian Jungen (Artistic Director ZFF) & Elke Mayer (Geschäftsführerin Spoundation Motion Picture AG)

Was habt ihr euch für 2021 vorgenommen? Wird das Zurich Film Festival stattfinden? 

CJ: Natürlich wird das ZFF dieses Jahr stattfinden, darauf wette ich mein Bankkonto und meinen Weinkeller! Die Impfungen werden ab Mai eine schrittweise Rückkehr zu einem normalen Leben ermöglichen und davon werden auch die Kinos profitieren. Boy, vermissen wir heute schon das gemeinsame Filmeschauen! Und inhaltlich wird es eine super Ausgabe werden. Der Grund: Weil viele Filme zurückgehalten wurden, stehen bei Wiedereröffnung der Säle Autorenfilme aus zwei Jahrgängen zur Verfügung. Wir haben uns vorgenommen, wieder die besten Herbst- und Wintertitel zu präsentieren.

EM: Darum sind wir bereits voll in der Organisation für das ZFF 2021 und sind zuversichtlich, dass es stattfinden kann. Selbstverständlich hilft uns die Erfahrung von letztem Jahr, als wir das ZFF in einer Corona-konformen Variante durchgeführt haben – mit 68'000 Besuchern. Das ist eine gute Basis und macht Mut. Sicher wird uns die Entwicklung rund um die Pandemie auch in diesem Jahr auf Trab halten. Das heisst flexibel bleiben, Ruhe bewahren und das Beste draus machen. 

Das ZFF arbeitet eng mit den Zürcher Kinos zusammen und sieht sich als Botschafter für das gemeinsame Kinoerlebnis. Wie geht ihr damit um, keine Sicherheit zu haben, wie die hiesige Kinolandschaft im Herbst aussehen wird? 
 
EM: Eine hundertprozentige Garantie hat man nie. Es gab und gibt auch zukünftig immer wieder Veränderungen bei Spielstätten und Festival-Locations. Wir müssen einfach mit der Infrastruktur arbeiten, die zur Verfügung steht. Und jede Veränderung bietet auch eine Chance. Wir glauben aber fest daran, dass die Kinos überleben werden. Zudem erwartet die Zuschauer im kommenden Frühjahr/Sommer ein unglaublich vielfältiges Filmprogramm. Hoffen wir, dass die Kinos bald wieder öffnen können. 

CJ: Aber natürlich nutzen wir auch die Digitalisierung: Sollten Stars und Filmschaffende nicht reisen können oder wollen, können wir sie für ein Q&A nach der Vorführung via Videokonferenz zuschalten. So wie wir das letztes Jahr zum Beispiel mit Olivia Colman gemacht haben, die ein Goldenes Auge erhielt und dem Publikum ihren Oscar-Favoriten THE FATHER vorgestellt hat, in dem sie an der Seite von Anthony Hopkins brilliert.

Das Zurich Film Festival hat sich ganz klar als physisches Festival positioniert. Während der Pandemie hat Streaming aber zusätzlich an Beliebtheit gewonnen. Wie begegnet ihr dem veränderten Konsumverhalten des Publikums?

CJ: Viele Filmfestivals singen jetzt in der Notlage plötzlich das hohe Lied aufs Streaming. Wir stimmen da nicht ein. Wir bleiben dem Kino treu und werden weiterhin fürs gemeinschaftliche Filmeschauen in den Sälen einstehen. Ich sage unserem Team oft: Man muss im Leben nicht alles machen, aber das, was man macht, muss man mit Leidenschaft und vollem Einsatz machen. Unsere Mission ist das Kino. Punkt. Ich prophezeie dem Kino sogar ein Revival. Haben wir nicht alle in den letzten Monaten gemerkt, dass uns Gemeinschaftserlebnisse fehlen? Dass ein Film am Fernsehen oder auf dem Tablet viel weniger einprägsam ist als auf der Grossleinwand? Der Nachholbedarf ist riesig!

Elke Mayer und Christian Jungen auf dem Green Carpet des ZFF 2020 – natürlich mit physical distancing

Rechnet ihr damit, auch 2021 viele internationale Gäste in Zürich zu begrüssen?

CJ: Aber sicher! Viele Filmschaffende brennen geradezu darauf, ihre Werke wieder persönlich einem Publikum vorstellen zu können. Sie suchen und brauchen den Kontakt zum Publikum. Denn bei Netflix klatscht keiner. Als Iris Berben letztes Jahr im Kino Le Paris das Goldene Auge entgegennahm, hielt sie eine Brandrede für die siebte Kunst und betonte darin, wie wichtig selbst für einen Star wie sie der Austausch mit dem Publikum sei. Auch Johnny Depp sagte, es sei für ihn eine grosse Freude gewesen, endlich wieder mal vor einem Publikum zu stehen.

Am ZFF 2020 spielte die Musik eine grosse Rolle – wird das auch in Zukunft so sein? Plant ihr auch Kooperationen mit weiteren Kultursparten?

CJ: Wir werden sicher beim Thema «Film und Musik» wieder einen Schwerpunkt setzen, sind aber auch offen für Kooperationen im Bereich Kunst. Wichtig ist uns hingegen, dass immer der Film im Zentrum steht, wir wollen keine Events um des Events willen.

Das ZFF wird grossmehrheitlich privat finanziert. Kann das Zurich Film Festival weiterhin auf diese Unterstützung zählen? 

EM: Das stimmt, ein Grossteil der finanziellen Mittel kommt aus der Privatwirtschaft. Es ist toll, dass so viele Partner an das Festival glauben und es teilweise sogar bereits seit der ersten Ausgabe unterstützen. Aber klar, es ist jedes Jahr ein enormer Kampf, die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Wenn es der Wirtschaft nicht gut geht, wie das im 2020 der Fall war, bekommen wir das schnell zu spüren. Aber wir bleiben Optimisten. 2021 wird sicher auch kein einfaches Jahr, aber erfreulicherweise haben wir alle Main Partner vollzählig an unsere Seite: Credit Suisse, Mercedes-Benz, Generali und neu Henri Maillardet. Und bei den Co-Partnern sind wir auf einem guten Weg. Es hat aber noch freie Plätze.

CJ: Eine wichtige Rolle spielen bei uns auch die Beiträge des Donors-Vereins. Ihm gehören wichtige Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft an. Mit ihren Beiträgen ermöglichen sie viele kulturelle Projekte. Und der moralische Support, den wir im Austausch mit ihnen immer wieder erfahren, spornt uns zusätzlich an. Es ist toll zu erleben, dass namhafte Persönlichkeiten aus der Zürcher Gesellschaft hinter dem Festival und hinter der Filmkultur stehen.

Wann dürfen erste Ankündigungen zur 17. Ausgabe des ZFF erwartet werden und wie erfährt man davon?

CJ: Wir haben momentan sehr viele Projekte im Köcher, mit denen das Festival auch unter dem Jahr präsent sein will. Spätestens im März sollte das erste spruchreif sein. Zudem überlegen wir zurzeit, welches unser Gastland sein könnte. Erfahren wird man es natürlich zuerst über unsere Infokanäle auf Social Media und aus unserem Newsletter.


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