DARK WATERS - Der Thriller, den Juliette Binoche empfiehlt

15. Oktober 2020

DARK WATERS von Todd Haynes ist ein Film von brennender Aktualität: Er feiert den Kampf eines Anwalts gegen einen Grosskonzern, der sich um Umweltschutz foutiert.

Als Juliette Binoche am letzten ZFF weilte, erzählte sie voller Enthusiasmus von einem herausragenden Film, den sie kürzlich gesehen habe: DARK WATERS von Todd Haynes. Binoche amtierte im August als Jurypräsidentin des 1. Film Festival von Porquerolles auf der gleichnamigen französischen Insel und vergab den Hauptpreis an den Film von Haynes. Der aufklärerische Thriller werfe ein Schlaglicht auf die Umweltzerstörung eines grossen Chemiekonzerns, erzählte Binoche, und sei damit sehr aktuell.

Tatsächlich ist DARK WATERS ein Film, der kaum aktueller sein könnte, weil er anmahnt, auf die Wissenschaft zu hören und die Augen vor der Zerstörung der Umwelt nicht zu verschliessen. Mark Ruffalo, selber ein Umweltaktivist, verkörpert den Anwalt Rob Bilott in Cincinnati, Ohio, dessen Kanzlei Grosskonzerne vertritt. Eines Tages trampt ein Viehzüchter aus einem Kaff in West-Virginia in sein Büro und deponiert Schachteln voller Videokassetten. Sie zeigen, was auf seiner Farm abgeht: Kühe verenden, weil sie vergiftetes Wasser trinken.

Da Bilott selber aus West Virginia stammt, macht er sich auf, um in seiner alten Heimat einen Augenschein zu nehmen. Nachdem er mit ansehen musste, wie der Bauer eine seiner verrückt gewordenen Kühe erschiessen musste, fängt er an zu recherchieren und kommt einem veritablen Umwelt- und Justizskandal auf die Spur: Der Chemiekonzern DuPont entsorgt giftige Säuren aus der Produktion von Teflon, mit der Pfannen hergestellt werden, in lokalen Gewässern. Die Folge: Menschen und Tiere verenden an den Ablagerungen in ihren Körpern.

Rob Bilott nimmt den Kampf gegen den Grosskonzern auf, trägt über 19 Jahre hinweg minutiös Beweismaterial zusammen und muss sich in seinem Kampf für Gerechtigkeit auch erst mal in seiner eigenen Kanzlei durchsetzen, die eigentlich Grossfirmen verteidigt und nicht den kleinen Mann von der Strasse.

DARK WATERS ist ein Thriller im Stil von ERIN BROCKOVICH oder SPOTLIGHT, der den ermüdenden Kampf eines Individuums gegen das korrupte System feiert. Er basiert auf einem Bericht von Nathaniel Rich im Magazin der „New York Times“. Inszeniert wurde er von Todd Haynes, der für Werke wie CAROL, FAR FROM HEAVEN oder VELVET GOLDMINE bekannt ist. Obwohl der Film weitgehend in Innenräumen spielt, ist es Todd Haynes gelungen, die Spannung von A bis Z aufrecht zu erhalten, etwa in jener Szene, in welcher Bilott, der unter Verfolgungswahn leidet, zu seinem in einer Tiefgarage parkierten Auto geht und den Zündschlüssel dreht, obwohl er fürchtet, sein Auto könnte in die Luft gejagt werden. Haynes langjähriger Kameramann Edward Lachmann taucht die Szenerien in düstere Farben und schummriges Licht, um die Abgründigkeit der verhandelten Machenschaften zu betonen.

Getragen wird der Thriller von einem bis in die Nebenrollen hervorragend gewählten Cast. Mark Ruffalo brilliert als Herr Jedermann, der vom eigenen Gerechtigkeitssinn getrieben, über sich hinauswächst. Anne Hathaway verkörpert seine mitleidende Ehefrau, Tim Robbins seinen Vorgesetzten in der Anwaltskanzlei und Bill Pullman seinen juristischen Mitstreiter.

DARK WATERS ist jene Art von Autorenkino made in Hollywood, das heute leider beinahe von unseren Leinwänden verschwunden ist: Eine gute Geschichte gut erzählt – mit Anspruch und kritischer Haltung. Ein Film, der sich auch für Schulklassen eignen würde als Beispiel dafür, dass sich der Kampf des Einzelnen gegen Ungerechtigkeit lohnen kann.

Christian Jungen

DARK WATERS startet am 15. Oktober 2020 im Kino.
 

Podcast: ZFF Masters mit Todd Haynes


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