Goldene Augen gehen nach Österreich, Mexiko und in die USA

03. Oktober 2020

Die Goldenen Augen der drei Wettbewerbe des 16. Zurich Film Festival gehen an HOCHWALD von Evi Romen (Fokus Wettbewerb), SIN SEÑAS PARTICULARES von Fernanda Valadez (Spielfilm Wettbewerb) und TIME von Garrett Bradley (Dokumentarfilm Wettbewerb). Das Goldene Auge für die beste Serie geht an CRY WOLF von Maja Jul Larsen, während der Preis der Kinderjury an THE CLUB OF UGLY CHILDREN von Jonathan Elbers geht. Die Preise wurden heute Abend im Rahmen der glamourösen Award Night im Opernhaus verliehen.


LISTE DER PREISTRÄGER

Fokus Wettbewerb

Jury:
Angelina Maccarone (Jurypräsidentin) / Regisseurin und Drehbuchautorin
Edna Epelbaum / Kinounternehmerin
Sabine Moser / Produzentin
Francesco Rizzi / Regisseur und Drehbuchautor
Dan Wechsler / Produzent

Das Goldene Auge des 16. Zurich Film Festival für den besten Film im Fokus Wettbewerb geht an HOCHWALD von Evi Romen (Österreich, Belgien). Der Spielfilm erzählt die Geschichte von Mario, welcher mit seinem Jugendfreund Lenz aus der Südtiroler Heimat ausbricht und mit ihm in Rom eine Bar für Homosexuelle besucht. Als Lenz in dieser einem Attentat zum Opfer fällt, kehrt Mario wieder zurück in sein Heimatdorf, wo sein Leben allmählich aus den Fugen gerät.

HOCHWALD


Die Jury begründet ihre Wahl folgendermassen: «Hochwald geht mit seiner Vielfalt an Themen ein Wagnis ein, das der Hauptdarsteller Thomas Prenn an jeder Stelle zu meistern weiss. Ihm folgen wir durch die dramatischsten Wendungen, die uns mit seiner Aussenseiterrolle und unseren Vorurteilen konfrontieren. Die Regisseurin Evi Romen hat uns mit der Wahl und Inszenierung ihres Casts und dem Umgang mit dem erzählerischen Rhythmus und der Visualität überzeugt. Wir sind neugierig auf ihr weiteres filmisches Schaffen.»

Besondere Erwähnungen gehen an ONE OF THESE DAYS von Bastian Günther (Deutschland, USA) und WOOD von Monica Lăzurean-Gorgan, Michaela Kirst und Ebba Sinzinger (Österreich, Deutschland, Rumänien).

Spielfilm Wettbewerb

Jury:
Michel Franco (Jurypräsident) / Regisseur, Drehbuchautor und Produzent
Karim Aïnouz / Regisseur, Drehbuchautor und Künstler
Ellen Harrington / Produzentin, Filmwissenschaftlerin und Kuratorin

Das Goldene Auge des 16. Zurich Film Festival für den besten Film im Spielfilm Wettbewerb geht an SIN SEÑAS PARTICULARES von Fernanda Valadez (Mexiko, Spanien). Das Drama dreht sich um die Mexikanerin Magdalena, die sich auf der Suche nach ihrem tot geglaubten Sohn in das Genzgebiet zu den USA begibt.

SIN SEÑAS PARTICULARES


«Dieser furchtlose, magische, eindringliche und allzu reale Film beginnt als eine geradlinige Reise und führt den Zuschauer dann in eine filmische Welt, in der Monster real sind. Der Film konzentriert sich auf eine humanitäre Krise, die leere Dörfer und Armeen von Menschen zurückgelassen hat, und ist ein umfassendes Porträt einer Tragödie. Er ist eine atemberaubende Annäherung an eine Fabel über den Krieg, und er lässt sich mit vielen Orten auf der ganzen Welt in Verbindung bringen, die sich innerlich im Krieg befinden. Dieser herausragende erste Spielfilm einer Gruppe außergewöhnlicher Künstlerinnen und Künstler weigert sich, irgendwelche Stereotypen darüber, was ein von Frauen gemachter Film sein kann, aufzustellen», so die Begründung der Jury.

Dokumentarfilm Wettbewerb

Jury:
Vitaly Mansky (Jurypräsident) / Regisseur
Gabriela Bussmann / Produzentin
Susanne Regina Meures / Regisseurin

Das Goldene Auge des 16. Zurich Film Festival für den besten Film im Dokumentarfilm Wettbewerb geht an TIME von Garrett Bradley (USA). Der Langzeitdokumentarfilm porträtiert Sibil und ihren Ehemann Rob, welche vor 21 Jahren eine Bank ausgeraubt haben. Während sie mit einer geringen Freiheitsstrafe davonkam, ist er zu 60 Jahren im Staatsgefängnis von Louisiana verdonnert worden. Unbeirrt kämpft Sibil seit zwei Jahrzehnten für die Begnadigung ihres Mannes – und hält das Familienleben mit der Videokamera fest.

TIME


Die Jury begründet ihre Wahl folgendermassen: «Der Film blickt in beeindruckender Weise auf zwanzig Jahre Kampf für Gerechtigkeit zurück. Anhand von Originalmaterial und Archiv-Heimvideos entwirft die Regisseurin das Porträt einer Frau, das sich zu einer komplexen Chronik einer Ehe, einer Familie, einer Gemeinschaft und schliesslich eines Landes ausweitet. Herzzerreissend und leidenschaftlich bietet der Film einen intimen und eindringlichen Blick auf eine lange Geschichte von polizeilichem Fehlverhalten und sozialer Diskriminierung. Die evokative Schwarz-Weiss-Verfilmung schafft ein grundlegendes Gefühl der Zeitlosigkeit, in der Ungerechtigkeiten fortbestehen. Es ist ein Film über Stärke und Widerstandskraft und letztlich über Hoffnung.»

Besondere Erwähnungen gehen an THE EARTH IS BLUE AS AN ORANGE von Iryna Tsilyk (Ukraine, Litauen) und ACASĂ, MY HOME von Radu Ciorniciuc (Rumänien).

Series

Jury:
Nir Bergmann (Jurypräsident) / Regisseur und Drehbuchautor 
Baran bo Odar / Regisseur
Sabine Steyer-Violet / Produzentin und Autorin

Das Goldene Auge des 16. Zurich Film Festival für die beste Serie geht an CRY WOLF von Maja Jul Larsen (Dänemark). Die Serie handelt von der 14-jährigen Holly, welche ihrem Stiefvater in einen Schulessay vorwirft, sie vergewaltigt zu haben. Hollys Mutter und der Beschuldigte selbst stellen die schweren Vorwürfe hingegen als Hirngespinste dar und es beginnt die Suche nach der Wahrheit zwischen den beiden Aussagen.

CRY WOLF


«Häusliche Gewalt ist ein wichtiges Thema, aber das ist nicht der Grund, warum wir von der Serie so beeindruckt sind. Die Art und Weise, wie Maja Jul Larsen diese komplexe Familiengeschichte aufgebaut hat, ist ein Meisterwerk. DieCharaktere sind so gut geschrieben, dass man manchmal vergisst zu atmen, wenn man sich in ihrer Gegenwart befindet. Die Regie von Pernille Fischer Christensen und die Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler ist fein nuanciert, sodass man jede Minute bei ihnen bleibt und sich ständig fragt, was passiert ist und wer die Wahrheit sagt», begründete die Jury ihre Entscheidung.

Eine besondere Erwähnung geht an ANTIDISTURBIOS von Rodrigo Sorogoyen und Isabel Peña (Spanien).

Audience Award
Karin Heberlein konnte mit ihrem Spielfilm SAMI, JOE UND ICH bei den Zuschauerinnen und Zuschauern punkten und erhält den Publikumspreis. Der Gewinnerfilm erzählt die Geschichte der drei Mädchen Sami, Joe und Leyla, die am Ende ihrer gemeinsamen Schulzeit mit verschiedenen Problemen konfrontiert werden.

SAMI, JOE UND ICH


Kritikerpreis

Der Preis der Kritikerjury (Murièle Weber, Geri Krebs und Majid Movasseghi) geht an den Dokumentarfilm 80.000 SCHNITZEL von Hannah Schweier (Deutschland). Er dokumentiert das Leben der 83-jährigen Wirtin Berta und deren Enkelin Monika, welche zusammen den Familienbetrieb in Oberpfalz zu retten versuchen.

Preis der Kinderjury
Jonathan Elbers hat mit seinem Drama THE CLUB OF UGLY CHILDREN die 30-köpfige Kinderjury überzeugt und gewinnt den Preis der Kinderjury. Der Film behandelt Fragen rund um Themen wie Diskriminierung, Unabhängigkeit und Freundschaft.

THE CLUB OF UGLY CHILDREN


Publikumspreis ZFF für Kinder

Der Publikumspreis der Sektion "ZFF für Kinder" geht an LITTLE CRUMB von Diede In't Veld aus den Niederlanden, welcher den gleichnamigen Kinderbuchklassiker neu inszeniert hat.

Science Film Award
Der von Eye on Science lancierte Science Award wird dieses Jahr zum zweiten Mal vergeben und wird Nathan Grossman für seinen Dokumentarfilm I AM GRETA übergeben, in welchem er die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg auf ihrer Mission, den Klimawandel zu stoppen, hautnah begleitet. Die Jury begründet ihre Wahl folgendermassen: "Obwohl jeder von Greta gehört hat, zeigt dieser Dokumentarfilm die Person hinter der Ikone. So gelinge es dem Filmemacher auf Gretas Reise von Anfang an dabei zu sein. Mit Sensibilität und Respekt fertigt er ein faszinierendes und aufschlussreiches Porträt, das sich eng darauf konzentriert, wie diese junge Frau mit einzigartiger Entschlossenheit vom Kind zum Katalysator einer weltweiten Bewegung wird mit dem Aufruf "Ich will, dass ihr euch hinter der Wissenschaft vereinigt!"

Filmpreis der Zürcher Kirchen
Das Schweizer Coming-Of-Age Drama SAMI, JOE UND ICH von Karin Heberlein wurde bereits letzten Donnerstag, 1. Oktober, mit dem ökumenischen Filmpreis der Zürcher Kirchen ausgezeichnet. «Die Schauspielführung der Regisseurin überzeugt durch Präzision und Einfühlungsgabe. Das authentische Spiel der Schauspielerinnen beeindruckt», so die Begründung der Jury.

Treatment Award
Das Treatment FLEISCH UND BLUT von Ares Ceylan überzeugte die Jury um Präsident Rolf Lyssy: «Eine Spielfilm-Geschichte muss schon auf Exposé-Ebene überzeugen. Dies tut Ares Ceylans tragikomisches Roadmovie-Exposé FLEISCH UND BLUT auf teils witzige, teils berührende Art und Weise.»

Die Gewinner des ZFF 72 Wettbewerbs
Gestern Abend wurden die Gewinnerfilme des ZFF 72 Wettbewerbs bekanntgegeben. Die Teilnehmenden hatten die Aufgabe innerhalb von 72 Stunden einen Kurzfilm zum Thema «Heroes» zu drehen. Aus über 180 Einreichungen wurden drei 72-Sekunden-Filme ausgezeichnet. Alle eingereichten Filme sind auf zff72.com verfügbar.


HOW TO BECOME A HERO
von Marty Trezzini (Jury Award)

THE REAL HERO von Lutharsan Sivalingarajah (Viewers Award)

BOOT_CLIP von Cyril Fischer (Mobile Filming Award)


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