Über den Nahostkonflikt lachen? – Kais Nashef über TEL AVIV ON FIRE

05. März 2019

Über den Nahostkonflikt lachen? Als Kais Nashef das Drehbuch zur Komödie TEL AVIV ON FIRE las, wusste er: «In dem Film muss ich spielen.» Es sei «ein mittleres Wunder, wenn so ein Film in Palästina zustande komme», sagt der arabisch-israelische Darsteller, der in Berlin lebt und letztes Jahr am ZFF war, um den Film vorzustellen: «Man verbindet diese Weltgegend mit harten Sachen, TEL AVIV ON FIRE ist deshalb ein kleiner Erfolg für die Humanität über die Politik.»

Kais Nashef (rechts) in TEL AVIV ON FIRE

Kais Nashef (rechts) in TEL AVIV ON FIRE

Kais Nashef spielt Salam, einen palästinensischen Schlaffi Mitte dreissig, der sich mit Praktika durchschlägt. Jetzt hat ihm sein erfolgreicher Produzenten-Onkel einen Assistenzjob bei einer palästinensischen Seifenoper verschafft, die hüben wie drüben der Sperrmauer sehr erfolgreich ist. Um das Fernsehstudio zu erreichen, muss der Taugenichts täglich den Checkpoint zwischen seinem Wohnort Jerusalem und Ramallah in den palästinensischen Autonomiegebieten passieren. Am Grenzübergang glaubt der israelische Offizier bald irrigerweise, dass Salam der Drehbuchautor der Erfolgsserie sei. Und der Mann beginnt, Druck zu machen: Die Rolle der Israeli in der Seifenoper müsse positiver gestaltet werden, andernfalls, so droht der Grenzwächter, lasse er Salam nicht länger passieren.

TEL AVIV ON FIRE ist ein leichter, subversiver Schwank am Checkpoint: Der bei Nazareth geborene, in Israel lebende Regisseur Sameh Zoabi (UNDER THE SAME SUN) hat nicht die knallige politische Provokation im Sinn: Es gelingt ihm vielmehr, den Konflikt aufs Menschliche runterzubrechen. Der Film sei nicht besonders kontrovers, sagt denn auch Kais Nashef; niemand habe dem Filmteam irgendwelche Stolpersteine in den Weg gelegt: «Es gab keine riesige Dramen beim Dreh. Tut mir leid, ich enttäusche die Leser wahrscheinlich.» Der Grossteil der luxemburgisch-französisch-israelisch-belgischen-Koproduktion wurde in Luxemburg gedreht. «Und dort», schiebt Nashef lachend nach, «ist es ja noch aufgeräumter als in Zürich.»

Kais Nashef

Kais Nashef am 14. ZFF 2018

Kais Nashef wuchs in Tayibe, einer arabischen Stadt in Israel auf. Sein Vater ist Palästinenser, die Mutter Deutsche. Er drehte schon in Hollywood, hatte Szenen mit Leonardo DiCaprio in Ridley Scotts BODY OF LIES. Und für TEL AVIV ON FIRE gewann er den Darstellerpreis am Filmfestival Venedig (Sektion Orizzonti). «Mit der Auszeichnung hatte ich im Leben nicht gerechnet», betont der 40-Jährige, der sich als ausgesprochen selbstkritisch bezeichnet. Er sei nie zufrieden mit seiner Leistung, sagt er: «Ich war mir wirklich sicher, dass ich ganz schlecht war in dieser Rolle.»

Schon mit fünf Jahren wollte Nashef Schauspieler werden. Als junger Mann hatte er nichts als Kino im Kopf, um Politik scherte er sich nicht. Aber seit er Schauspieler sei, sagt er, sehe er sich ständig mit Politik konfrontiert. «Jetzt muss ich eine politische Haltung einnehmen, in fast jedem Projekt. Die Schauspielerei hat mich gezwungen, der Realität ins Auge zu schauen.» Umso dankbarer ist er, über den Nahostkonflikt auch mal lachen zu können.

TEL AVIV ON FIRE läuft ab dem 7. März in den Kinos der Deutschschweiz.


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