Glenn Close – Vom «Mädchen mit viel Fantasie» zu sieben Oscar-Nominierungen

06. Februar 2019

In THE WIFE verkörpert Glenn Close die stille und treibende Kraft hinter ihrem erfolgreichen Schriftsteller-Ehemann. Als er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird, beginnt die Fassade des eingespielten Paares zu bröckeln. 2017 wurde Close am ZFF mit dem Golden Icon Award für ihr Lebenswerk geehrt. Für ihre Rolle in THE WIFE wurde sie kürzlich mit einem Golden Globe ausgezeichnet und für einen Oscar nominiert – die mittlerweile siebte Nomination in ihrer Karriere.


«Was mich als Kind rettete, war der Wille, Schauspielerin zu werden», verriet Glenn Close der «New York Times». Sie war sieben Jahre alt, als ihre Eltern der Bewegung «Moralische Aufrüstung», die Kritiker als Sekte bezeichnen, beitraten. Der amerikanische Prediger Frank Buchman, dessen Vater Schweizer war, hatte die Bewegung in den 30-Jahren in einem Dorf über dem Genfersee gegründet. Buchman betrieb die «Moralische Aufrüstung» im Kampf gegen den Kommunismus, wobei er laut «New York Times» gerne auch dem Himmel dankte «für einen Mann wie Adolf Hitler, der eine Verteidigungslinie gegen den Antichristen namens Kommunismus aufgebaut hat.»

Glenn Close, Jahrgang 1947, kam als kleines Mädchen aus Greenwich, Connecticut, auf die internationale St George’s School in Montreux und stand fortan unter dem Einfluss der Bewegung, bis sie 21 Jahre alt war. Wie sie in dem Interview sagte, sei der «Kult» aber nie ganz zu ihr durchgedrungen, «denn ich war ein Mädchen mit viel Fantasie.» Die junge Glenn, die sich wie eine «Fusssoldatin in einer Armee» fühlte, träumte sich in andere Welten, wo sie nicht «jeden Tag das gleiche tragen und das gleiche Blabla vortragen musste.» In ihrem Kopf schlüpfte sie in andere Rollen, die Schauspielerin in ihr war geweckt.

Glenn Close bei den ZFF Masters

Im Teenageralter wurde Glenn Close dann als Sängerin der Showgruppe «Up With People», die aus der «Moralischen Aufrüstung» hervorging, rund um den Globus geschickt. Aber eines Tages gelang es ihr, sich abzusetzen, und sie schrieb sich für ein Schauspielstudium auf dem College of William & Mary in Williamsburg, Virginia, ein. Es sollte nicht lange dauern, da fand sie sich auf dem Broadway wieder. Auch für Fernsehproduktionen engagierte man das grosse Talent ohne viel Federlesens.

Nach einigen erfolgreichen Broadway-Musicals entschloss sich Close, Mitte dreissig, ihr Glück auch auf der grossen Leinwand zu suchen. In der John-Irving-Verfilmung «The World According to Garp» (1982) gab sie die Mutter der Titelfigur– obwohl sie nur vier Jahre älter war als Garb-Darsteller Robin Williams. Sie lieferte damit eine erste Kino-Kostprobe ihres Könnens, die ihr prompt eine Oscar-Nomination für die beste Nebenrolle brachte. Und im gleichen Takt ging es weiter: Auch mit Nebenrollen in «The Big Chill» (1983) und «The Natural» (1984) landete sie in der Endauswahl für die Oscars. Und wie sie die femme fatale Alex Forrest im Kassenschlager «Fatal Attraction» (1987) spielte, erhielt sie die erste Nomination in der Kategorie Hauptdarstellerin, die zweite folgte auf dem Fuss mit dem Kostümdrama «Dangerous Liaisons».

Glenn Close und ihre Tochter Annie Starke bei der Verleihung des Golden Icon Award 2017

Glenn Close und ihre Tochter Annie Starke bei der Verleihung des Golden Icon Award 2017

In einer Retrospektive blickte das ZFF 2017 auf die fulminante Frühphase in der Karriere der Glenn Close zurück, zeigte in insgesamt zwölf Filmen aber auch die eindrückliche Bandbreite, welche die Schauspielerin später bewies, von der grausamen Cruella De Vil aus «101 Dalmatians» (1996), die von einem Dalmatiner-Pelz träumt, über die Vizepräsidentin im Actionfilm «Air Force One» (1997).

Mittlerweile ist Glenn Close mit THE WIFE bei nicht weniger als sieben Oscar-Nominationen angelangt. Der Film von Björn Runge ist die genauso aufwühlende wie humorvolle Geschichte einer weiblichen Befreiung und wird vor allem von der starken Persönlichkeit seiner Hauptdarstellerin getragen.

THE WIFE läuft ab dem 7. Februar in den Kinos der Deutschschweiz.


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