Weltpremiere des Schweizer Films THE ARROW OF TIME

02. Oktober 2017

THE ARROW OF TIME Protagonist Michail Gorbatschow schreibt Brief ans Festival.

Michail Gorbatschow, der frühere Präsident der UdSSR, wollte persönlich zur Weltpremiere des Films THE ARROW OF TIME von Leila Conners ans ZFF reisen. Auf Anraten der Ärzte musste der Friedensnobelpreisträger die Reise aber absagen. Stattdessen hat der frühere Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion dem Festival einen Brief geschrieben, in dem er sich für die Einladung nach Zürich bedankt und dem Film, in dem er die Hauptrolle spielt, einen guten Start gewünscht.

THE ARROW OF TIME

In Zürich anwesend ist hingegen Leila Conners, die Regisseurin des Dokumentarfilms THE ARROW OF TIME, sowie weitere Mitarbeitende der schweizerisch-amerikanischen Koproduktion. THE ARROW OF TIME läuft am ZFF als Weltpremiere in der Reihe Special Screenings.

Der ehemalige UdSSR-Präsident, der in den Abrüstungsverhandlungen mit den USA das Ende des Kalten Krieges einleitete, warnt in THE ARROW OF TIME vor der erneuten Aufrüstung mit Atomwaffen. Regisseurin Leila Conners hat Michail Gorbatschow sowie Politiker aus Deutschland, Frankreich und den USA interviewt. Der Film gibt einen beunruhigenden Rückblick auf die komplexe Geschichte des 20. Jahrhunderts und versteht sich zugleich als Appell, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

THE ARROW OF TIME

Hier das Schreiben von Michail Gorbatschow ans Festival (Wortlaut leicht gekürzt):

Liebe Gastgeber des Zurich Film Festival!

Liebe Gäste! Verehrte Damen und Herren, meine lieben Freunde!

Leider bin ich, auf Anraten meiner Ärzte, nicht in der Lage, persönlich an unserem Treffen in Zürich teilzunehmen.

Ich bin jedoch äusserst erfreut, dass der Dokumentarfilm THE ARROW OF TIME nun endlich seinen Weg zu den Zuschauern gefunden hat. Seine Veröffentlichung findet zu einem Zeitpunkt statt, wo das Wettrüsten wieder an Bedeutung gewinnt und es erneut Versuche gibt, globale Probleme mit Gewalt und oft sogar Militäreinsätzen zu lösen. 

Das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen ist von fundamentaler Bedeutung in der heutigen globalen Welt. Eines der Hauptglieder dieser Kette bildet die russisch-amerikanische Beziehung. Der neue Präsident der USA ist seit nunmehr einem dreiviertel Jahr im Amt und dennoch gab es bis jetzt noch kein bedeutendes russisch-amerikanisches Treffen auf höchster Ebene. Dies ist schlicht nicht normal. Ich möchte die Führer unserer Länder aufrufen, unverzüglich mit den Vorbereitungen zu einem solchen Treffen zu beginnen. Es wird als ein äusserst wichtiger Wendepunkt in der Verbesserung der gesamten politischen Weltlage dienen. 

Ich weiss sehr wohl, wovon ich rede. Es war das sowjetisch-amerikanische Gipfeltreffen in Genf, das den Weg zur Beendigung des Kalten Krieges geebnet hat. Damals hatte zu Beginn niemand daran geglaubt, dass die Verhandlungen erfolgreich sein würden. Aber es war genau dort, an den Ufern des Genfersees, wo die Führer der UdSSR und der USA gemeinsam festhielten, dass „ein Atomkrieg inakzeptabel ist und es keine Sieger geben wird“. Es war genau dieses Treffen, welches eine bedeutende Rolle in der Umgestaltung der Welt bildete, die zu jenem Zeitpunkt vom Kalten Krieg gleichsam gelähmt war.

Unsere Bestrebungen, eine neue Welt zu schaffen, haben leider aufgrund einer Vielzahl von Gründen einen Rückschlag erfahren.

Die globalen Aufgaben, denen wir gegenüber stehen, angefangen bei der Aufrecherhaltung von Frieden und Sicherheit über den Klimawandel, der Internet-Sicherheit sowie dem Terrorismus, verlangen nach einer neuen Stufe einer globalen Regierung, welche den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden vermag. Hierzu benötigen wir eine Reform der UNO.

Viele dieser Ideen mögen im Kontext der gegenwärtigen politischen Ordnung als utopisch und unerreichbar erscheinen und dies natürlich genau deshalb, weil sie sich auf die Ursprünge der gegenwärtigen Probleme beziehen.

Die im Dokumentarfilm aufgezeigten Ideen setzen sich zum Ziel, das fatalistische Gefühl der Hilflosigkeit abzubauen und aufzuzeigen, dass es einen Weg nach vorne gibt und dass wir uns zweifellos auf diesen Weg begeben werden. Entweder heute durch eine bewusste Wahl oder aber in naher Zukunft, aufgerüttelt durch schmerzhafte Schocks. 

Und die Uhr tickt ... 

Zum Schluss möchte ich den Machern des Films danken: Leila Conners und ihrer ganzen kreativen Crew, meinen Freunden und Partnern für ihre Umsetzung einer neuen Handlungsweise in internationalen Beziehungen und für ihren Beitrag zur Entstehung dieses wichtigen filmischen Dokuments. 

Michail Gorbatschow


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