Als erster mexikanischer Regisseur erhielt Alejandro González Iñárritu sowohl den Regiepreis bei den Filmfestspielen in Cannes als auch eine Nomination als bester Regisseur bei den Oscarverleihungen. Seine Geschichten, die er oftmals in elegant ineinander verwobenen Episoden erzählt, thematisieren Spiele des Zufalls und die Ambivalenz des Lebens.


Der 1963 in Mexico-City geborene Iñárritu studierte zunächst Theaterwissenschaft beim polnisch-mexikanischen Regisseur Ludwis Margules, bevor er sich dem Filmemachen zuwandte. Er arbeitete mehrere Jahre als Produzent beim mexikanischen Radio und Fernsehen und gründete 1991 im Alter von 28 Jahren seine eigene Produktionsfirma Zeta Film, mit der er zahlreiche Werbe- und TV-Filme produzierte, darunter den mittellangen Fernsehspielfilm DETRAS DEL DINERO, bei dem er Regie führte.

Die Spiele des Zufalls

Der internationale Durchbruch gelang Iñárritu 1999 mit seinem Spielfilmdebüt AMORES PERROS, das bei den Filmfestspielen von Cannes für Furore sorgte und Iñárritu eine Oscarnomination einbrachte. Der Film, in dem auch Gael García Bernal erstmals auf sich aufmerksam machte, spielt im Moloch Mexiko-City und erzählt die Geschichte dreier Menschen, deren Leben sich anlässlich eines Autounfalls kreuzen. Im Jahr 2002 leistete Iñárritu, gemeinsam mit elf anderen Regisseure einen Beitrag zum Filmprojekt 11’09’’01 – SEPTEMBER 11. Ein Anlass, bei dem sich sein Weg mit Sean Penn kreuzte – was sogleich zu einer weiteren Zusammenarbeit führte: In Iñárritus zweitem Spielfilm 21 GRAMS verkörpert Penn einen kranken Mathematikprofessor, der auf ein Spenderherz angewiesen ist und dieses schliesslich erhält, als es – wie schon in AMORES PERROS – zu einem fatalen Autounfall kommt. Es geht um die Verkettung von Zufällen und deren Auswirkungen auf das Leben der Protagonisten.

Globalisierung und Ambivalenz des Lebens

Mit seinem nächsten Spielfilm BABEL, der unter anderem mit Cate Blanchett und Brad Pitt besetzt war, führte Iñárritu seine Studie über die Verknüpfung von zufälligen Ereignissen fort, dehnte sie nun jedoch auf vier verschiedene Zeitrahmen und drei unterschiedliche Kontinente aus. Mit BABEL gewann Iñárritu zum zweiten Mal den Regiepreis in Cannes. Für die Kurzfilmkompilation CHACUN SON CINEMA, die anlässlich der 60. Austragung der Filmfestspiele von Cannes realisiert wurde, steuerte er ANNA bei, der vom Kinobesuch einer taubstummen Frau erzählt. Mit seinem neusten Spielfilm BIUTIFUL, der seine Schweizer Premiere anlässlich des 6. Zurich Film Festival feierte, verabschiedete sich Iñárritu von seinem einzigartigen, episodenhaften Erzählstil, blieb in der Zeichnung des so liebenswerten wie fragwürdigen Unterwelt-Unternehmers Uxbal einem seiner Lieblingsthemen jedoch treu: der Ambivalenz des globalisierten (Grosstadt-)Lebens.

Alejandro González Iñárritu wird das Goldene Auge am 01.10. anlässlich der Award Night persönlich entgegennehmen. Zu Ehren des Regisseurs und Drehbuchautors zeigt das Zurich Film Festival in Zusammenarbeit mit dem Filmpodium eine vier Filme umfassende Hommage.