Wie Edward Hopper Wim Wenders inspirierte

06. Februar 2020

ZFF-Preisträger Wim Wenders stellt anlässlich der Edward-Hopper-Ausstellung der Fondation Beyeler seinen neuen Kurzfilm vor. Der Regisseur und Fotograf, der sich stets auch mit der Erzählkraft von unbewegten Bildern beschäftigt, gehört zu Hoppers grössten Bewunderern. Für die umfangreiche Ausstellung hat er den 15-minütigen 3D-Film TWO OR THREE THINGS I KNOW ABOUT EDWARD HOPPER gemacht. In Zusammenarbeit mit dem ZFF veranstaltet Fondation Beyeler am 11. Februar einen Talk mit Wenders, der live im Stream mitverfolgt werden kann.

Wim Wenders am ZFF 2018 © Kostas Maros

Wim Wenders am ZFF 2018 © Kostas Maros

Den Werken des amerikanischen Malers Edward Hopper (1882 – 1967) wohnt eine Ästhetik inne, die geradezu einladend ist, sich dazu eine Geschichte vorzustellen. Hoppers Gemälde „House by the Railroad“ diente schon Alfred Hitchcock als Inspiration für seinen Film PSYCHO (1960). Eine Hommage an den Künstler ist auch in Wim Wenders’ Filmen wie DER AMERIKANISCHE FREUND (1977), PARIS, TEXAS (1984) oder DON’T COME KNOCKING (2005) zu finden. Inzwischen ist man sich beim Betrachten der gemalten Werke gar nicht mehr sicher, ob man diese und jene Szene nicht schon mal in einem Film gesehen hat. Denn auch Hopper hat sich in seiner Malerei vom Kino inspirieren lassen.

In TWO OR THREE THINGS I KNOW ABOUT EDWARD HOPPER widmet sich Wenders der Erzählkraft der Kunst. Für ihn verbindet die Malerei von Hopper das Sehenwollen und Erzählenwollen miteinander. Er hält die Bilder für Geschichtenanfänge: „In die Tankstelle bei Edward Hopper fährt gleich ein Auto ein, wo jemand am Steuer sitzt, der eine Schusswunde im Bauch hat. Es sind immer auch Anfänge von amerikanischen Filmen.“

„Gas“ von Edward Hopper

Die bekannte Szenerie im Gemälde „Gas“ von Edward Hopper und viele andere werden in Wenders Kurzfilm aufgegriffen

Laut Wenders sind es vor allem Orte und Dinge, die eine geschichtenprägende Kraft besitzen. Städte, Berge, Wüsten oder Küsten könnten den Eindruck erwecken, dass sie nach einer Geschichte schreien. Dinge wie eine aufgeschlagene Zeitung, eine Reklametafel, ein verrostetes Auto oder ein Stuhl können etwas erzählen. Sie können Heiterkeit oder Traurigkeit vermitteln, komisch oder tragisch wirken. Diese Erzählkraft ist immer auch in Wenders Fotografien zu entdecken.

Unbewegte Bilder reizen ihn, mehr über das Davor und das Danach einer Momentaufnahme wissen zu wollen. „Beim Filmemachen muss man immer sowohl voraus- als auch zurückdenken. Jede Einstellung schreibt sich in einen Erzählfluss ein, in dem es jeweils ein Davor und ein Danach gibt. Eine Photographie hingegen ist oft nur die Andeutung einer Geschichte, ein kurzer Ausschnitt, dessen Vor- und Nachgeschichte meist im Dunkeln bleibt. (Auf der anderen Seite gibt es aber doch auch immer Photographien, die ihre gesamte Geschichte innerhalb eines einzigen Augenblicks erzählen können…) Photographien lassen den Betrachter oft mit dem Wunsch zurück, mehr wissen zu wollen, als enthüllt wird.“

 
In Wenders Kurzfilm TWO OR THREE THINGS I KNOW ABOUT EDWARD HOPPER, den er extra für die Hopper-Ausstellung gedreht hat, verwandelt der Filmemacher die Gemälde in Filmszenen und spinnt ihre möglichen Geschichten auf poetische Weise weiter.

Die Ausstellung in der Fondation Beyeler zeigt zahlreiche Werke von Edward Hopper und den Kurzfilm noch bis zum 17. Mai 2020. Am 11. Februar findet zudem ein von ZFF-Direktor Christian Jungen moderierter Talk mit Wim Wenders statt. Details zum Live-Stream gibt es hier via Facebook.

Text: Marey Weingart

Weitere Informationen: fondationbeyeler.ch
 

Für sein Filmschaffen wurde Wim Wenders 2018 am ZFF mit dem „A Tribute To…“- Award geehrt. In unserem Podcast gibt's das Gespräch mit dem vielseitigen Filmemacher nochmal zum Nachhören.


zurück