«Ans Aufgeben dachte ich nie» – Hannes Baumgartner über DER LÄUFER

19. März 2019

DER LÄUFER basiert auf der wahren Geschichte eines Sportlers, der zum Serientäter wurde. Hannes Baumgartners Spielfilmdebüt wurde prompt als "Bester Spielfilm" für den Schweizer Filmpreis nominiert. Am vergangenen ZFF erzählte uns der Regisseur, wie sein Film entstand.

Hannes Baumgartner 2018

Hannes Baumgartner, ZFF 2018 (Foto: Thomas Lohnes)

Herr Baumgartner, wie lange haben Sie an DER LÄUFER gearbeitet?

Hannes Baumgartner: Gut fünf Jahre. Mit der Recherche und dem Schreiben habe ich im Sommer 2012 begonnen, der Dreh fand dann im Herbst 2016 statt.

Was hat sie dazu bewogen, die Geschichte eines Serientäters zu erzählen?

Die Ambivalenz und die Zerrissenheit des Täters haben mich beschäftigt. Er war Spitzensportler, ein beliebter Koch auch, sein Umfeld beschrieb ihn als sensibel, pflichtbewusst und hilfsbereit. Demgegenüber stand die brutale, zielgerichtete Gewalt.

Wie schwierig war es, die Förderung zu bekommen?

Die Geschichte eines Serientäters ist ja nicht unbedingt der Stoff, aus dem Kassenschlager gemacht sind ... Die Förderung war auf jeden Fall eine Herausforderung. Aber wir spürten viel Interesse, mehrheitlich haben wir positive Förderentscheide bekommen. Klar, es gab natürlich auch negative Entscheide, die Meinungen gingen auseinander.

Gab es Momente, wo sie ans Aufgeben dachten?

Nein, nie.

Cast & Crew DER LÄUFER

Cast & Crew beim ZFF 2018

Was hat Sie motiviert, weiterzumachen?

Durch die Recherche und den Schreibprozess war ich schnell viel zu sehr mit dem Projekt verbunden. Und dann hat mich natürlich das Team motiviert, die Leute, die diesen Film getragen haben, zuvorderst Schauspieler Max Hubacher, meine Produzenten Stefan Eichenberger und Ivan Madeo, der Kameramann Gaëtan Varone und mein Drehbuchautor Stefan Staub.

DER LÄUFER ist Ihr erster Langspielfilm. Stand Ihnen jemand mit Rat zur Seite?

Der Drehbuchautor Dominik Bernet war während der frühen Schreibphase eine wichtige Bezugsperson. Aber auch der Austausch mit dem deutschen Regisseur Andres Veiel in der späteren Drehbuchentwicklung war für mich sehr wichtig. Seine Filme wie WER WENN NICHT WIR oder DER KICK thematisieren die Hintergründe und Zusammenhänge von biografischer und historischer Gewalt. Geholfen hat dann auch das Schauspielcoaching von Lena Lessing während der Proben.

Gibt es Filmemacher, von denen sie sich Sachen abgeschaut haben?

Vor und während meines Studiums habe ich viel als Beleuchter gearbeitet. Da konnte ich beobachten, wie andere Filmemacher und Filmemacherinnen arbeiten. Aber auch das Experimentieren mit den eigenen Kurzfilmen war wichtig.

Es gibt das Buch von François Truffaut: «Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?» Welchen Regisseur würden Sie gerne einmal fragen: «Wie haben Sie das gemacht?»

Den Dänen Tobias Lindholm, der im Thriller A HIJACKING beeindruckend realistisch zeigt, wie ein Schiff von Piraten gekapert wird.

Filmstill DER LÄUFER

Filmstill DER LÄUFER

DER LÄUFER

Das finstere Doppelleben eines Berner Waffenläufers, der 2002 zum Serientäter wurde, diente dem Zürcher Regisseur Hannes Baumgartner, Jahrgang 1983, als Grundlage für sein Debüt DER LÄUFER. Das Drama, das am ZFF im Wettbewerb Fokus Schweiz, Deutschland, Österreich lief, zeichnet das komplexe Psychogramm eines Mörders. Max Hubacher (MARIO) spielt den jungen Athleten, der für Olympia trainiert und es zur Weltkarriere bringen könnte. Doch dann wird er immer stärker von den Erinnerungen an seinen verstorbenen Bruder eingeholt und etwas in ihm kippt.
 
Von Andreas Scheiner


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