#letSEXplore: Das ZFF widmet sich der Lust

02. September 2021

Mit der Reihe «Hashtag» beleuchtet das ZFF jedes Jahr ein brandaktuelles Thema. Unter dem Hashtag #letSEXplore geht es am 17. Zurich Film Festival um Sex – ohne Scheu und in allen Facetten.


Sex ist verpönt, und gleichzeitig das natürlichste der Welt. Die Obsession unserer Gesellschaft mit dem Thema lässt nie nach, sie ist aber auch im stetigen Wandel begriffen: Wie sieht heute – vier Jahre nach #MeToo – unser Verhältnis zu Sex aus? Und wie geht das gegenwärtige Kino mit sexuellen Inhalten um? Bewegen wir uns weg von der Verklemmtheit und vom Sensationalismus, hin zu einem bunten und normalisierenden Umgang?

Seit 2018 präsentiert das Zurich Film Festival die Themenreihe «Hashtag». In ihrem vierten Jahr widmet sie sich der vielseitigen, reflektierten und unaufgeregten Begegnung mit dem Thema Sexualität und Lust.

«MeToo hat den Umgang mit Sex fundamental verändert, gerade in der Filmbranche», sagt Artistic Director Christian Jungen. «Viele Kommentatoren prophezeiten uns ein Zeitalter der Neo-Prüderie. Mit unserer Hashtag-Reihe möchten wir zeigen, wie sich der Blick auf die Körper verändert hat. Er ist vielfältiger geworden, sowohl die Liebenden auf der Leinwand wie auch die Regisseure, welche sie filmen, erforschen neue Formen der Liebe. #letSEXplore ist eine Reihe mit sinnlichen und lebensbejahenden Filmen für ein urbanes, aufgeschlossenes Publikum.”

«Uns fällt eine Normalisierung von Sexualität im Film auf», sagen Christine Albrecht und Aurel Graf, die die Reihe #letSEXplore zusammen programmiert haben. «Es dominiert endlich nicht mehr der ‹male gaze›, in dem Frauen aus einer männlichen, heterosexuellen Perspektive dargestellt werden. So sind in PLEASURE, einem Spielfilm über eine 20-jährige Schwedin, die in die USA geht um ein Pornostar zu werden, die männlichen Geschlechtsteile viel deutlicher zu sehen als die weiblichen. Und wenn sich in DEATH OF A VIRGIN, AND THE SIN OF NOT LIVING drei Jungs aufmachen, um ihr erstes Mal mit einer Sexarbeiterin zu erleben, dekonstruiert der Film Gendernormen. Queere Figuren werden auch nicht mehr nur über ihre Sexualität definiert und Kategorien werden fluider. LES OLYMPIADES etwa folgt jungen Menschen im 13. Bezirk von Paris, die Freundschaft und Sex neu ausloten und sich ohne viel Aufhebens auch mal in gleichgeschlechtlicher Liebe üben. Der Film zeigt leicht und humorvoll: Sex ist auch im Kino mehr und mehr einfach Teil des Lebens.»

Die Programmreihe «Hashtag» umfasst insgesamt fünf Spielfilme und drei Dokumentarfilme.

ICT4Peace und Ceylor sind offizielle Partner der «Hashtag»-Reihe.

Das vollständige Programm des 17. ZFF (23.9.-3.10.) wird am Donnerstag, dem 9. September, ab 12 Uhr auf der ZFF-Webseite veröffentlicht. Zudem ist es auf der offiziellen Festival-App Tribo einsehbar, wo auch ein persönliches Festivalprogramm zusammengestellt werden kann. Der Ticketverkauf startet am Montag, den 13. September, ab 12 Uhr.

PLEASURE


PLEASURE

Premiere im deutschsprachigen Raum | Drama | Schweden, Niederlanden, Frankreich, 2021
Regie: Ninja Thyberg
Cast: Sofia Kappel, Revika Anne Reustle, Kendra Spade, Dana DeArmond, Evelyn Claire

Die 20-jährige Linnéa will als «Bella Cherry» der nächste Pornostar werden. In Los Angeles angekommen merkt sie aber, dass sie nur aufsteigen kann, wenn sie auch sexuelle Fantasien bedient, die Schmerz und Erniedrigung bedeuten. Mit expliziten, ästhetischen wie auch beklemmenden Szenen nimmt uns PLEASURE mit in ein gnadenloses, männerdominiertes Business, in dem Lust, Gewalt und Macht untrennbar scheinen.

  

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN


BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN / BABARDEALǍ CU BUCLUC SAU PORNO BALAMUC

Schweizer Premiere | Drama | Rumänien, Luxemburg, Tschechien, Kroatien, 2021
Regie: Radu Jude
Cast: Katia Pascariu, Claudia Ieremia, Olimpia Mǎlai, Nicodim Ungureanu, Alexandru Potocean

Das Sexvideo sollte eigentlich niemand sehen – Emi wollte mit ihrem Ehmann nur etwas Spass haben. Doch der Film landet im Internet und Emis Job als Lehrerin gerät in Gefahr. Regisseur Radu Jude rechnet unerschrocken und höchst amüsant mit der Doppelmoral unserer Gesellschaft und den wahren Obszönitäten des täglichen Lebens ab. Der Film erhielt den Hauptpreis an der Berlinale 2021.

A SEXPLANATION


A SEXPLANATION

Europapremiere | Dokumentation: Gesellschaft & Mensch | USA, UK, 2021
Regie: Alex Liu

Let’s talk about sex, baby! Nachdem ihm als Jugendlicher eingetrichtert wurde, wie beschämend die eigene Lust sei, begibt sich der Filmemacher Alex Liu nun auf eine Mission zur Überwindung der Scham. Er spricht mit Fachpersonen, Freunden und Familie über Tabuthemen wie Pornografie oder Masturbation. Mit viel Humor, aber auch nackten Wahrheiten, normalisiert der Film einen gerne gemiedenen Diskurs.

  

DEATH OF A VIRGIN, AND THE SIN OF NOT LIVING


DEATH OF A VIRGIN, AND THE SIN OF NOT LIVING

Schweizer Premiere | Coming of Age | Lebanon, 2021
Regie: George Peter Barbari
Cast: Etienne Assal, Adnan Khabbaz, Elias Saad, Jean Pierre Frangieh, Feyrouz AbouHassan

Heute wollen sie zu Männern werden: Die Halbstarken Etienne und Adnan kratzen ihr letztes Geld für ein Treffen mit einer Sexarbeiterin zusammen. Unterwegs prahlen sie mit Macho-Sprüchen; innere Monologe verraten jedoch ihre Nervosität und Verletzlichkeit. Auf einfühlsame Weise werden die Wünsche und Ängste der Figuren freigelegt, die zwischen modernen und konservativen Vorstellungen im Libanon aufwachsen.

 

LES OLYMPIADES / PARIS, 13TH DISTRICT


LES OLYMPIADES / PARIS, 13TH DISTRICT

Premiere im deutschsprachigen Raum | Drama Frankreich, 2021
Regie: Jacques Audiard
Cast: Lucie Zhang, Makita Samba, Noémie Merlant, Jehnny Beth, Camille Léon-Fucien

Der Lehrer Camille zieht bei der lebensfrohen Émilie in Paris ein. Auch ohne romantische Gefühle leben die beiden ihre körperliche Anziehung aus – regelmässig und unkompliziert. Dann wird Camilles Interesse an der Studentin Nora geweckt. Alle wollen Unverbindlichkeit – doch wie lange kann man seine Gefühle heraushalten? Dynamische Schwarz-Weiss-Bilder zeigen die Innenwelt einer sprunghaften Generation.

 

THE DILEMMA OF DESIRE


THE DILEMMA OF DESIRE

Premiere im deutschsprachigen Raum | Dokumentation: Gesellschaft & Mensch | USA, 2020
Regie: Maria Finitzo
Protagonisten: Dr. Stacey Dutton, Sophia Wallace, Dr. Lisa Diamond, Ti Chang

Eine Biologin bringt Studierenden die Struktur der Klitoris näher. Eine Psychologin räumt mit uralten Mythen auf. Eine Industriedesignerin entwickelt elegante Vibratoren und eine Konzeptkünstlerin veranschaulicht die Bedeutung der Klitoris. Die porträtierten unaufhaltsamen Frauen trotzen der patriarchalischen Ignoranz, feiern die weibliche Lust und schaffen so ein neues Körperbewusstsein.

 

ALL EYES OFF ME


ALL EYES OFF ME / MISHEHU YOHAV MISHEHU

Schweizer Premiere | Beziehungsdrama | Israel, 2021
Regie: Hadas Ben Aroya
Cast: Elisheva Weil, Leib Lev Levin, Yoav Hait, Hadar Katz

Danny sucht nach Max, um ihm von ihrer ungeplanten Schwangerschaft zu erzählen. Max ist bei seiner Freundin Avishag und lässt sich auf deren sexuelle Fantasien ein. Zwischen Avishag und ihrem älteren Nachbarn Dror entsteht eine überraschende Vertrautheit. In drei lose verknüpften Kapiteln wird ein Generationsbild junger Israelis widergespiegelt, die sich offen und ungebunden geben, aber nach Nähe sehnen.

 

BECAUSE OF MY BODY


BECAUSE OF MY BODY

Dokumentation: Gesellschaft & Mensch | Italien, 2020
Regie: Francesco Cavanná
Protagonisten: Claudia Muffi, Marco Purzo

Die 21-jährige Claudia, die unter Spina bifida leidet, will ihre sexuellen Bedürfnisse erforschen. Sie engagiert Marco, der gerade einen Kurs als «Love Giver» absolviert – ein Projekt, das körperbehinderten Menschen bei der Entdeckung ihres Körpers und ihrer Sexualität hilft. Starkes Filmporträt einer unglaublich offenen Protagonistin, die uns Einblick in ihre emotionale und körperliche Reise gewährt.


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