Französisches Kino am 10. Zurich Film Festival

22. September 2014

Das ZFF zeigt neue Produktionen für Liebhaber des französischen Kinos. Die Filme laufen in den Sektionen Wettbewerb Internationaler Spielfilm, Galapremieren, Special Screenings und Border Lines.

Eden

(Gala Premieren)
Mia Hansen-Løve (Frankreich, 2014)

Fasziniert vom amerikanischen Garage-House, legt im Paris der 1990er Jahre der schüchterne Teenager Paul seine ersten Platten auf. Die neue Elektro-Welle dominiert das Partyleben, Kokain und Ecstasy machen jede Nacht zum Tag. Gemeinsam mit seinen Freunden, die zur selben Zeit Bands wie Daft Punk, Dimitri oder Cassius gründen, stürzt sich Paul in ein berauschendes Leben voller Beats und flüchtiger Bettgeschichten. Bald tanzen in den einschlägigen Pariser Clubs Tausende zu seinen Rhythmen. Die Jahre vergehen mit Tourneen durch Europa und Amerika. Aber irgendwann kommt der Tag, an dem Paul dieses Leben nicht mehr führen kann. Während in den Clubs Europas die Musik seiner früheren Freunde noch immer en vogue ist, muss sich Paul langsam aber sicher neu orientieren. Die Regisseurin Mia Hansen-Løve zeichnet in dieser atmosphärisch dichten Milieustudie die Entwicklung der elektronischen Musik Frankreichs nach.

Hope

(Border Lines)
Boris Lojkine (Frankreich, 2014)

Weit und gefährlich ist der Weg vom Golf von Guinea durch die Sahara bis zum Tor Europas an der marokkanischen Küste. Auf der von Schleppern organisierten Reise trifft die junge Nigerianerin Hope auf den kamerunischen Flüchtling Léonard. Obwohl sie von ihm schroff abgewiesen wird, bleibt sie ihm trotzig auf den Fersen – denn Hope spürt, dass sie ohne Léonard keine Chance hat, diese Reise zu überleben. Regisseur Boris Lojkine hat dieses in Cannes preisgekrönte, gleichermassen authentische wie kompromisslose Flüchtlingsdrama vor Ort auf einer der meistbegangenen Migrationsrouten gedreht.

La mort du dieu serpent

(Special Screenings)
Damien Froidevaux (Frankreich, 2014)

Dieser Film fängt sozusagen dort an, wo VOL SPÉCIAL aufhörte. Die 20-jährige Koumba wird aus Frankreich ausgewiesen, wo sie aufgewachsen ist. Im Senegal landet sie schliesslich im Dorf ihrer Ahnen, streitsüchtig, furchtlos rebellierend. Ihr künftiger Weg, inzwischen als Mutter eines Kleinkinds, ist unvorhersehbar. Und genauso ist es diese filmische Langzeitbeobachtung: Das Risiko ihres Scheiterns mit seiner Protagonistin ist spürbar. Aber auch spürbar ist eine faszinierende Metamorphose Koumbas, deren Körper wie Charakter weichere und harmonischere Züge annehmen. Eine gewisse Hoffnung scheint auf. (Martin Walder, SVFJ)

National Gallery

(Galapremieren)
Frederick Wiseman (Frankreich, 2014)

Was haben die Bilder von Tizian und William Turner, von Caravaggio und Van Gogh uns heute noch zu erzählen? Wie werden die Meisterwerke den Besuchern vermittelt? Was steckt hinter einem Museumsbetrieb, und wie lässt sich eine solche Institution vermarkten? Meisterregisseur Frederick Wiseman verbrachte 2012 zwölf Wochen in der National Gallery in London. In seinem einzigartigen Direct-Cinema-Stil zeigt uns Wiseman, was er als Zeuge im Museum alles beobachtet: Die grossen Kunstwerke in monumentalen Grossaufnahmen, aber auch alles andere, was den Museumsbetrieb ausmacht. Die Besucher und ihr Blick auf die Bilder. Führungen, Vorträge, Konzerte. Kuratoren und Kunstvermittler, die Museumsleitung oder Marketingspezialisten bei der Arbeit. NATIONAL GALLERY ist ein Film über die Kunst und deren Kraft und zugleich das Portrait einer aussergewöhnlichen Institution.

Qui vive / Insecure

(Wettbewerb Internationaler Spielfilm)
Marianne Tardieu (Frankreich, 2014)

Chérif hat seinen Platz im Leben noch nicht gefunden. Der zartbesaitete Mittdreissiger mit Wurzeln im Nahen Osten träumt davon, dereinst als Krankenpfleger zu arbeiten, fristet seinen Alltag in Rennes jedoch zwischen dem Zuhause seiner Eltern in der Banlieue und einem Einkaufszentrum, wo er temporär als Sicherheitsmann tätig ist. Ein Job, der ihn alles andere als glücklich macht, zumal er sich jeden Tag aufs Neue von einer Teenager-Bande provozieren lässt. Zwei Begegnungen könnten eine Wende bringen: Zum einen lernt er die bezaubernde Lehrerin Jenny kennen. Und zum anderen trifft er nach langer Zeit seinen alten Kollegen Dedah wieder, der ihm ein verlockendes Angebot macht.

The Search (Galapremieren)

Michel Hazanavicius (Frankreich, 2014)

Direkt vor seinen Augen werden die Eltern des 9-jährigen Hadji von russischen Soldaten brutal ermordet. Wir schreiben das Jahr 1999, und der zweite Tschetschenienkrieg zwingt Tausende Menschen zur Flucht. Hadji gelingt es, seinen kleinen Bruder bei einer Familie unterzubringen und selber auf verschlungenen Wegen ein Flüchtlingslager zu erreichen. In ein Waisenhaus eingeliefert, trifft Hadji auf die NGO-Mitarbeiterin Carole. Einzig der engagierten Französin gelingt es, wenigstens einen rudimentären Kontakt zu dem autistisch wirkenden Jungen herzustellen. In der Hoffnung, die UN-Behörden zu einer Intervention in Tschetschenien bewegen zu können, will Carole das Schicksal Hadjis dokumentieren. Zur selben Zeit macht sich Hadjis ältere Schwester Raissa auf die Suche nach ihrem Bruder. Regisseur Michel Hazanavicius (THE ARTIST) aktualisiert den Plot der gleichnamigen, oscarprämierten Schweizer Produktion von 1948 für die Gegenwart.

Une nouvelle amie / The New Girlfriend

(Galapremieren)
Francois Ozon (Frankreich, 2014)

Seit ihrer Kindheit gehen Claire und Léa zusammen durch dick und dünn. Daran ändert sich auch nichts, als beide jungen Frauen heiraten und Léa ein Kind zur Welt bringt. Kurz nach der Geburt aber erkrankt Léa schwer. Auf dem Sterbebett ringt sie ihrer besten Freundin ein Versprechen ab: Claire wird sich um ihr Kind kümmern – und auch um ihren Ehemann David. Kurz nach Léas Tod sucht Claire den Witwer auf und entdeckt ein gut gehütetes, intimes Geheimnis: David geniesst es, Frauenkleider zu tragen – und hat sich auch schon einen weiblichen Namen zugelegt: Virginia! Schicke Röcke, Lingerie, Strümpfe, Make-up oder Haarentfernung: Keine weiblichen Rituale sind dem charmanten David fremd. Claire ist gleichermassen überrascht wie fasziniert von Davids ungewöhnlicher Passion ... Regisseur François Ozon entzückt uns mit einem anregenden, warmherzigen Film über die Freuden der Liebe.

United Passions

(Special Screenings)
Frédéric Auburtin (Frankreich, 2014)

Eine Gruppe junger Enthusiasten schliesst sich am Anfang des 20. Jahrhunderts für ein ambitiöses Projekt zusammen: Die Gründung des Internationalen Fussballverbandes (FIFA). Das Drama UNITED PASSIONS erzählt die Geschichte dieses Verbandes und der Fussballweltmeisterschaft, einem der erfolgreichsten Unternehmen des 20. Jahrhunderts, aus der Sicht dreier prägender Protagonisten: Jules Rimet, Joao Havelange und Sepp Blatter. Die einflussreichen Männer der FIFA werden – nicht ohne Humor – von Gérard Depardieu, Sam Neill und Tim Roth in Szene gesetzt.

Tickets für alle Filme sind auf den jeweiligen Filmdetailseiten erhältlich. Einfach auf den Ticket-Button klicken. Der Festivalpass (CHF 149.-) ist ab dem 25.9. im Festivalzentrum am Sechseläutenplatz erhältlich.
     


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