Indisches Kino

28. März 2014

Im Zentrum der diesjährigen Programm-Reihe Neue Welt Sicht, mit der das ZFF auf vielversprechende Entwicklungen nationaler Filmszenen fokussiert, steht Indien. Auf dem Subkontinent tritt ein junges, unabhängiges Filmschaffen zunehmend aus dem Schatten des traditionellen Massenkinos der Marke Bollywood und sucht mit wachsendem internationalem Erfolg neue Themen und Erzählweisen. Anschauungsmaterial werden am ZFF zehn neue Spiel- und Dokumentarfilme aufstrebender indischer Filmemacher sowie ein Kurzfilm-Block bilden.

Namaste! – für seine zehnte Auflage begrüsst das Zurich Film Festival Indien als Gast der Sektion „Neue Welt Sicht“. Es richtet damit den Fokus auf ein Land mit einer über hundertjährigen cineastischen Tradition und einem Produktionsausstoss – zwischen 800 und über 1000 Filmen jährlich -, der es global zur unangefochtenen Nummer 1 macht. Doch nicht das formal streng korsettierte traditionelle Massenkino, im Westen unter dem Markennamen Bollywood bekannt, steht im Zentrum des Interesses. Dieses gilt den neuesten Entwicklungen des Autorenfilms, der während der so genannten Indian New Wave mit Leuchttürmen wie Satyajit Ray, Ritwik Ghatak und Mrinal Sen bereits ab Mitte der 1950er Jahre erstmals weltweit wahrgenommene Akzente gesetzt hatte.
 

Die Co-Direktoren Nadja Schildknecht und Karl Spoerri begründen die Wahl Indiens damit, „dass der neue indische Film seit einigen Jahren stark im Kommen ist, auch ausserhalb des Subkontinents.“ Vor allem unter den jungen Filmemachern sei ein Wandel erkennbar, wie Schildknecht und Spoerri betonen: „In den letzten Jahren sind zahlreiche neue Projekte realisiert worden, die bewusst gängige Klischees unterlaufen. Die Bewegung weg vom Mainstream hin zum Independent Cinema ist unübersehbar. Diese Entwicklung ist unglaublich spannend.“

Auch der indische Botschafter in der Schweiz M.K. Lokesh ist erfreut über die Entscheidung des ZFF: „Über die Jahre hat die indische Filmindustrie ein sehr hohes Niveau in Bezug auf technische und filmische Standards erreicht. Das indische Kino hat oftmals in seinen Filmen die natürliche Schönheit der Schweiz festgehalten und damit dazu beigetragen, dass die Schweiz bei der indischen Bevölkerung zu einem sehr beliebten Reiseziel wurde. Daher ist sehr passend, dass das Zurich Film Festival dieses Jahr Indien als Gastland begrüsst.“

In der Tat rechtfertigen die thematische Frische und die filmische Qualität das hohe Lob, mit dem indische Festivaleingaben überwiegend bedacht werden. Beste Beispiele dafür bieten etwa Vasan Balas vielversprechender Erstling PEDDLERS, ein überzeugendes Beziehungsdrama in Krimiform; die romantische Komödie THE LUNCHBOX des Newcomer Ritesh Batra; oder die fulminante Familien- und Gangster-Saga GANGS OF WASSEYPUR: Anurag Kashyaps „Godfather auf Indisch“ (NZZ am Sonntag) gilt mit 45 Mio US-Dollar Produktionsbudget als bis dato aufwendigste Produktion jenseits von Bollywood.

Das ZFF hat 2013 nicht nur mit der Lancierung von THE LUNCHBOX im Gala Programm frühzeitig auf die cineastischen Signale vom Subkontinent reagiert. Zu Gast in Zürich war auch die Erfolgsproduzentin Guneet Monga (neben THE LUNCHBOX auch THE GANGS OF WASSEYPUR und PEDDLERS) und liess sich im Rahmen einer ZFF Master Class in die Karten blicken. Dass Guneet Monga jüngst von der Bollywood-Bastion Yash Raj Films mit dem internationalen Verkauf und der Distribution des Adoleszenz-Dramas TITLI betraut wurde, ist ein Indiz dafür, dass auch die traditionelle indische Filmszene dem einheimischen Independent Cinema kommerzielle Chancen einräumt.

 
Auf dem diesjährigen Programm der Reihe „Neue Welt Sicht“ stehen zehn neue Spiel- und Dokumentarfilme aufstrebender indischer Filmemacher sowie ein Kurzfilm-Block, der traditionell in Zusammenarbeit mit den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur entsteht. Das detaillierte Programm wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

 


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