Paul Haggis hat sich als Regisseur, vor allem aber auch als Drehbuchautor einen hervorragenden Namen gemacht. Gleich zweimal hintereinander war er an einem Oscargewinner massgeblich beteiligt: 2005 als Drehbuchautor des Boxerfilms MILLION DOLLAR BABY und im Jahr darauf als Autor und Regisseur des episodischen Dramas CRASH.

Paul Haggis Portrait

TV-Shows und Serien als Startpunkt

Die Karriere des 1953 in Ontario, Kanada geborenen Haggis verlief nicht von Anfang an in den Bahnen des Kinos. Über zwei Jahrzehnte hinweg war er als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent für diverse TV-Formate tätig, etwa bei der erfolgreichen ABC-Serie „thirtysomething“ (Die besten Jahre, 1987-1991) oder der „Tracey Ullman Show“. Haggis war 1996 Initiant und Autor der kultigen, ihrer Zeit vorauseilenden Mafiaserie „EZ Streets“ (1996-1997), die, obwohl ihr ein viel zu kurzes Leben beschieden war, neue Massstäbe setzte und Haggis in Hollywood schlagartig bekannt machte. Spätere Erfolgsserien wie die SOPRANOS oder THE WIRE sind nur zwei Beispiele, die von Haggis’ Werk nachhaltig inspiriert wurden.

Analyse der menschlichen Emotionen

Den Weg zum Kino fand Haggis mit seinem Debutfilm RED HOT (1993), einer Geschichte um vier russische Teenager, die im Jahre 1959 die erste Rock’n‘Roll Band der Sowjetunion zu gründen versuchen. Acht Jahre später kehrte Haggis gleich mit mehreren Projekten zurück: Zunächst adaptierte er F. X. Tools Boxergeschichten „Rope Burn“ für den Film MILLION DOLLAR BABY (2004), den er zunächst selbst drehen wollte, bis Clint Eastwood ins Projekt einstieg. Der nur auf den ersten Blick konventionelle Sportfilm erzählt die tragische Geschichte einer Boxerin und ihres Trainers und überzeugt durch die Raffinesse, mit der die Genre-Klischees unterlaufen werden. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Eastwood ging mit FLAGS OF OUR FATHERS (2006) und LETTERS FROM IWO JIMA (2006) weiter. Haggis hatte in der Zwischenzeit seinen Grosserfolg CRASH (2004) realisiert, ein herausforderndes Episodendrama über Vorurteile und Rassismus im L. A. der Gegenwart, mit dem er Oscars in den Kategorien bester Film, bestes Drehbuch und bester Schnitt gewann.

Flirt mit dem Actionfilm

Noch im selben Jahr wurde Haggis für das Autorenteam des vielbeachteten James-Bond-Neustarts CASINO ROYALE verpflichtet. Eine erfolgreiche Arbeit, die er später für A QUANTUM OF SOLACE (2008) fortsetzen konnte. Mit seinem dritten Kinospielfilm, dem Thriller IN THE VALLEY OF ELAH (2007), thematisierte Haggis das mysteriöse Verschwinden eines US-Kriegsheimkehrers aus dem Irak. Sein neustes Projekt, den Actionthriller THE NEXT THREE DAYS, hat er mit seiner eigenen Produktionsfirma Highway 61 realisiert.

Paul Haggis wird den „A Tribute To ...“-Award am 1.10. persönlich entgegennehmen. Zu Ehren des Regisseurs und Drebuchautors zeigt das Zurich Film Festival seine wichtigsten Filme in einer Retrospektive.